Ganz unten auf dieser Seite finden Sie vorübergehend ein Video von den Camerone-Feierlichkeiten 2026 im Hauptquartier der Fremdenlegion in Aubagne
Was genau ist die Fremdenlegion eigentlich ?
Die französische Fremdenlegion ist ein aktuell etwa 9.000 Mann starker Kampfverband des französischen Heeres (Armee de terre), mit Hauptsitz im südfranzösischen Aubagne (bei Marseille), dessen Mannschaften und Unteroffizierskorps zu fast 90% aus Ausländern besteht. Darin sind auch Naturalfranzosen enthalten, die jedoch unter „Anonymat“ dienen, also mit einer deklarierten Identität als z.B. Belgier, Monegassen, Canadier. 110 Mann (Stand 01.01.2025) aus Mannschaften und Unteroffizieren dienen unter ihrer echten Identität als Franzosen, sowie 360 Offiziere. Insgesamt machen die Franzosen (Mannschaften, Unteroffiziere, Offiziere – unter echter und deklarierter Identität) ca. 13% der Fremdenlegion aus. Das Offizierskorps bestand über sehr viele Jahr zu 90% aus „Naturalfranzosen“ und zu max. 10% aus ehem. Ausländern, die sich über die Mannschafts- und Unteroffiziersdienstgrade bis zum Offizier hochgedient haben, nachdem sie eine französische Offiziersschule besucht und die französische Staatsangehörigkeit angenommen haben. Diese Offiziere werden als „Officiers servant à titre étranger“ (sinng. „ausländische Vertragsoffiziere“) bezeichnet, bzw. im Legionärs-Slang als „Officier Kepi Blanc“, da sie als einfacher Legionär (mit dem Kepi Blanc) ihre Karriere begonnen haben. In den letzten Jahren hat sich dieses Verhältnis etwas verändert. Stand 01.01.2025 waren 20% der Offiziere der Fremdenlegion „Officiers Kepi Blanc“ (91 von insgesamt 451). Hinzu kommen insgesamt etwa 1.500 Zivilangestellte und Reservisteneinheiten, wobei letztere nur zu Übungszwecken einberufen oder bei Bedarf (z.B. für die Inlands-Anti-Terror-Mission „Sentinelle“ – siehe weiter unten) aktiviert werden. Die Kampfeinheiten der Fremdenlegion stellen etwa einen Anteil von 12% der Kampfeinheiten des französischen Heeres. Nach zwischenzeitlicher, durch Sparmaßnahmen bedingte Reduzierung der Mannschaftsstärke in 2011 bis 2013 auf nur noch 6.700 Mann wurde aufgrund der sich verändernden weltpolitischen Bedrohungslage durch den internationalen Terrorismus und nicht zuletzt auch durch die „Expansionspolitik“ Russlands (Annexion der Krim in 2014) eine 2015 beginnende stufenweise Wiederaufstockung auf rd. 10.000 Mann (incl. der Reservisteneinheiten) beschlossen, die Ende 2018 offiziell abgeschlossen war. Die Mannschaften und Unteroffiziere der Fremdenlegion setzen sich aus knapp 150 Nationen zusammen, die sich per Vertrag für die Dauer von mindestens 5 Jahren zum Dienst bei der Fremdenlegion verpflichten, nachdem sie das Bewerbungsverfahren erfolgreich durchlaufen haben. Nach, bzw. auch bereits während dieser ersten 5 Jahren sind fortlaufende Vertragsverlängerungen zwischen in der Regel jeweils 6 Monaten und 3 Jahren möglich. Wenn der laufende Vertrag erst unmittelbar zum Ablauf verlängert wird, sind wiederum 5 Jahre möglich. Die Laufzeit ist also dahingehend „gedeckelt“, dass die „neue“ Dienstzeit (Restlaufzeit des Erstvertrags plus Laufzeit der Verlängerung) maximal 5 Jahre beträgt. Ein Legionär im Mannschaftsdienstgrad kann theoretisch und auch praktisch auf mehr als 40 Dienstjahre kommen (Eintrittsalter 18 Jahre, Austritt spätestens mit 57 Jahren, jedoch ggf. plus 1- 2 Jahre berufliche Wiedereingliederung, während derer man offiziell noch Angehöriger der Legion ist).
Außer dem Hauptquartier der Legion in Aubagne, wo neben dem COM.LE (Oberkommando/-stab) auch das 1er Regiment Etranger (1. Fremdenregiment) stationiert ist, befinden sich auch die Kasernen der übrigen in Frankreich stationierten Regimenter im Süden des Landes, sowie auf der Insel Korsika.
Woher kommen die Fremdenlegionäre ?
Die Herkunft der Ausländer die in der Fremdenlegion Dienst tun ist und war schon immer Spiegelbild der weltpolitischen sowie der wirtschaftlichen Lage in den Herkunftsländern. Nach dem 2. Weltkrieg bis Mitte der 1950er Jahre bestanden die Mannschaften und das Unteroffizierskorps zu bis zu 2/3 aus Deutschen, die nach 1945 den Kriegsfolgen in Deutschland entkommen wollten. Viele dieser Bewerber hatten bereits in der Wehrmacht oder auch der Waffen-SS gekämpft und keinen anderen Beruf als den des Soldaten erlernt. Frankreich kamen diese Bewerber sehr gelegen, brauchte es doch Truppen für seinen Kolonialkrieg in Indochina. Diese „Epoche der Deutschen“ dauerte etwa bis zum Ende des Algerienkrieges (Waffenstillstand 1962), bzw. dem Abzug der Fremdenlegion aus Nordafrika an. Zu dieser Zeit bestand die Fremdenlegion noch zu rd. 50% aus Deutschen, das Unteroffizierskorps etwa zu 30%. Weitere Nationalitäten, die die Fremdenlegion zu dieser Zeit ausmachten waren hauptsächlich Italiener, Ungarn, Tschechoslowaken, Polen, Spanier, Jugoslawen. Nach der Aufgabe Algeriens durch Frankreich und dem Abzug der Fremdenlegion aus Nordafrika verringerte sich die Anzahl der deutschen Legionäre rapide. Neue Bewerber gab es nur noch sehr wenige und die meisten „aktiven“ deutschen Legionäre ließen ihre Verträge auslaufen, mit Ausnahme derer denen nicht mehr allzu viel Dienstzeit fehlte, um Anspruch auf die sog. „Sofort-Rente“ direkt nach dem Ausscheiden aus der Legion zu haben (seinerzeit 15 Jahre)
Mitte der 1980er Jahre zog es noch einmal überdurchschnittlich viele Deutsche zur Fremdenlegion, deren Zahl seit Ende des Algerienkonfliktes wie gesagt extrem zurückgegangen war. Grund dafür war zum einen das damals (wieder) relativ neue Phänomen der hohen Jugendarbeitslosigkeit, wodurch junge Männer, die nach der Schule oder Berufsausbildung ihren Wehrdienst im Rahmen der Wehrpflicht bei der Bundeswehr abgeleistet hatten, oftmals mehr oder weniger auf der Straße standen. Wenn man mit Legionären aus dieser Zeit spricht, hört man oft die selbe oder eine ähnliche Geschichte: Sie hatten bei der Bundeswehr von der „sagenumwobenen“ Fremdenlegion gehört und die Abenteuerlust hatte sie gepackt, dazu kam oftmals die gefühlte Berufung als Soldat zu dienen, die sie jedoch in der gewünschten Form bei der damaligen Bundeswehr nicht fanden, da diese sich zu der Zeit -wenn überhaupt- nur mit Sanitäts- und Pioniereinheiten an humanitären Auslandseinsätzen beteiligte. Ende der 1980er/Anfang der 1990er Jahre war die Zeit der Legionäre aus den ehem. Warschauer Pakt Staaten gekommen, wozu natürlich auch Deutsche aus der ehem. NVA der DDR gehörten, sowie auch viele Polen, Ungarn, Ukrainer, Russen, Tschechoslowaken, Jugoslawen und Rumänen.
Die Rumänen und Ukrainer (bis 2022) machen auch heute noch eine erhebliche Anzahl der Soldaten der Fremdenlegion aus. Ebenso wie junge Männer aus Moldawien (Republik Moldau), deren Anteil dafür, dass das Land nur 3,5 Mio. Einwohner hat, relativ hoch ist. Ebenso verhält es sich bei Madagassen (Malgachen), also den Einwohnern der Insel Madagaskar, und weiteren Bewohnern der benachbarten Inselgruppen (z.B. Komoren). Im Übrigen zieht es viele Asiaten (v.a. Nepalesen) und Südamerikaner (v.a. Brasilianer) in die Legion von heute, während die Deutschen aktuell noch einen Anteil von 2 bis max. 3 % ausmachen, wobei eher der Begriff „Deutschsprachige“ angebracht ist, da nach Lesart der Legion auch Österreicher und deutschsprachige Schweizer inoffiziell mit zu den Deutschen gezählt werden. Auch der Anteil von Legionären vom afrikanischen Kontinent ist mit 8% heute eher gering. Aufgrund der aktuellen weltpolitischen Lage werden aktuell (seit ca. 2023/2024) keine Russen, Ukrainer und Chinesen neu rekrutiert. Aktive Legionäre aus diesen Ländern können ihren Dienst selbstverständlich weiterführen und ihre Verträge auch ganz normal verlängern.


Bewerben können sich bei der Fremdenlegion Männer zwischen 17 und 40 Jahren (Alter am Tag der Bewerbung. Unter 18jährige benötigen die schriftliche Zustimmung beider Erziehungsberechtigter, welche ins Französische übersetzt und beglaubigt sein muss, und weitere Dokumente), welche die gesundheitlichen und sportlichen Anforderungen erfüllen und nicht oder allenfalls unerheblich vorbestraft sind. Weitere Voraussetzungen (Schul- oder Berufsabschluss, franz. Sprachkenntnisse, militärische Vorausbildung usw.) sind ausdrücklich nicht notwendig. Näheres entnehmen Sie bitte der Rubrik Rekrutierung
Wie ist die Fremdenlegion strukturiert ?
Die Fremdenlegion besteht aktuell aus 11 Regimentern plus dem Oberkommando (COM.LE – Commandement de la Legion Etrangere). Die Bezeichnung „Regiment“ ist bei der Legion historisch zu verstehen, nicht auf die Mannschaftsstärke bezogen. Es gibt „Regimenter“ die gerade einmal aus 2 Kompanien bestehen (wie das 5e R.E. auf Mayotte mit insg. knapp 300 Mann) als auch Regimenter, die auch mannschaftsmäßig Regimentsstärke haben (wie das 2e R.E.P., das 2e R.E.I. oder die 13e D.B.L.E. – mit jeweils um 1.300 Mann). Bis etwa 2015-2016 war das 2e R.E.I. mit seinerzeit rd. 1.250 Mann das größte Infanterieregiment nicht nur der Fremdenlegion, sondern der gesamten französischen Armee. Im Jahr 2022 war das 2e R.E.P. mit 1.312 Mann das mannschaftsstärkste Regiment der Fremdenlegion.
Die Fremdenlegion ist heute komplett in die Strukturen des französischen Heeres eingebunden, wenngleich nicht homogen als Ganzes, sondern regimentsweise auf Brigadeebene. Es ergibt sich folgende Struktur (siehe auch Grafik weiter unten):
Das Oberkommando der Fremdenlegion (COM.LE) rangiert auf Divisionskommandoebene und ist über den MGAT (Le major général de l’Armée de terre) direkt dem Stabschef des Heeres – CEMAT (Le chef d’état-major de l’Armée de terre) unterstellt. Dieser wiederum untersteht dem Oberbefehlshaber der französischen Streitkräfte, dem „Chef d’état-major des armées“ – CEMA.
Dem Chef des COM.LE., also dem Oberkommandierenden der Fremdenlegion (in der Regel ein 2- oder 3-Sterne-General, also ein Brigadegeneral oder Generalmajor) welcher COMLE (im Gegensatz zum COM.LE ohne Punkt zwischen M und L geschrieben) genannt wird (Commandant de la Legion Etrangere) sind 3 Regimenter der Fremdenlegion direkt unterstellt. Es handelt sich dabei um die 3 „nicht kämpfenden“ Regimenter 1er Regiment Etranger – 1er R.E. (1. Fremdenregiment) welches vereinfacht gesagt für die „Verwaltung“ der Fremdenlegion zuständig ist, das Groupement Recrutement de la Legion Etrangere – G.R.L.E. (Rekrutierungsabteilung), welches für die Nachwuchsgewinnung verantwortlich ist, sowie das 4e Regiment Etranger – 4e R.E. (4. Fremdenregiment), welches als exclusive Aufgabe die Aus- und Weiterbildung der Legionäre übernimmt. Details zu den Aufgaben der einzelnen Regimenter finden Sie auf der jeweiligen Regimentsseite unter dem Menüpunkt „Regimenter“.
Die beiden dauerhaft in Übersee stationierten Regimenter, das 3e Regiment Etranger d’Infanterie – 3e R.E.I. (3. Infanteriefremdenregiment) in Französisch-Guyana und das 5e Regiment Etranger – 5e R.E. (5. Fremdenregiment) unterstehen dem Etat-Major spécialisé pour l’outre-mer et l’étranger – EMSOME, zu Deutsch etwa Spezial-Stab der Übersee- und Auslandsstreitkräfte. Dabei ist das 3e R.E.I. Teil der Forces Armées en Guyane – FAG (französische Streitkräfte in Guyana) und das 5e R.E. der Forces Armées de la zone sud de l’océan Indien – FAZSOI (französische Streitkräfte im südlichen Indischen Ozean).
Die übrigen Regimenter der Fremdenlegion, dabei handelt es sich um die „eigentlichen“ Kampfeinheiten der Legion, sind in 3 verschiedene Brigaden des Heeres eingebettet:
Das 2e Regiment Etranger de Genie – 2e R.E.G. (2. Gebirgspionierregiment) untersteht der 27e Brigade d’Infanterie de Montagne – 27e B.I.M. (27. Gebirgsinfanteriebrigade) und diese wiederum der 1. Heeresdivision.
Das 2e Regiment Etranger de Parachutistes – 2e R.E.P. (2. Fallschirmjägerregiment) untersteht der 11e Brigade Parachutiste – 11e B.P. (11. Luftlandebrigade) und diese wiederum der 3. Heeresdivision.
Ebenfalls zur 3. Heeresdivision gehört die 6e Brigade légère blindée – 6e B.L.B. (6. leichtgepanzerte Brigade), welche aus 7 Kampfregimentern und 1 Stabs- und Fernmeldekompanie besteht. Mit 4 Regimentern der Fremdenlegion hat die Brigade den größten „Legionsanteil“ aller Brigaden in ihren Reihen. Es handelt sich um das 1er Regiment Etranger de Cavalerie – 1er R.E.C. (1. Kavallerieregiment), das 1er Regiment Etranger de Genie – 1er R.E.G. (1. Sturmpionierregiment), das 2e Regiment Etranger de Infanterie – 2e R.E.I. (2. Infanterieregiment) sowie die 13e Demi Brigade de Legion Etrangere – 13e D.B.L.E. (13. Halbbrigade der Fremdenlegion). Diese Brigade war es auch, die im 2. Golfkrieg (1990/91) im Rahmen der „Division Daguet“ fast den gesamten französischen Truppenanteil innerhalb der Koalitionsstreitkräfte stellte.
Weiterführende Informationen zu den einzelnen Regimentern finden Sie auf der jeweiligen Regimentsseite unter dem Menüpunkt „Regimenter“.

Welche Aufgaben hat die Fremdenlegion heute ?



Wichtigstes Merkmal der Fremdenlegion, insbesondere ihrer in Frankreich stationierten Kampfregimenter (1er REC, 1er REG, 2e REG, 2e REP, 2e REI, 13e DBLE) ist heute ihre sofortige Einsatzbereitschaft. Die Angehörigen der Kampfkompanien dieser Regimenter trainieren nahezu pausenlos auf den „scharfen Einsatz“ hin. Keine anderen „Nicht-Spezial-Einheiten“ der franz. Armee sind derart oft auf den französischen Truppenübungsplätzen der Armee, wie dem Camp de Garrigues oder Camp du Larzac (taktische Infanterieausbildung), dem Centre d’entraînement au tir interarmes (CETIA), ehem. CEITO, im Camp de Canjuers, dem CNEC (Centre national d’entraînement commando) in Mont Louis, dem CENZUB (Centre d’entrainement en zone urbaine) dem Ortskampftrainingszentrum in Sissonne oder dem CENTAC (Centre d’entraînement au combat) in Mailly le camp, um nur einige zu nennen, zu finden. Trainingszentren in Übersee, wie das CEFE, die berühmte Dschungelkampfschule der Legion in Französisch-Guyana oder das CECAD (Centre d’entraînement au combat et d’aguerrissement de Djibouti), die Wüstenkampfschule in Dschibuti kommen noch hinzu. Auch auf Übungsplätzen befreundeter Armeen, wie dem Orts- und Häuserkampfzentrum der Bundeswehr in Hammelburg („Bonnland“) sind Legionseinheiten regelmäßig zu Gast.
Auch an multinationalen Übungen beteiligt sich die Fremdenlegion regelmäßig (z.B. „Bold Aligator“ in den USA) oder führt diese selber durch, wie die Fallschirmjäger-Übung „Colibri“ beim 2e R.E.P. auf Korsika. 2020 nahm das 2e R.E.P. an der multinationalen Luftlandeübung „Wessex Storm“ teil. Ebenso stellt sie im Rahmen der NATO „Enhanced Forward Presence“ (Stärkung der NATO-Ostflanke) seit 2017 Truppen für die unter britischer Führung stehende multinationale NATO-Battlegroup in Estland („Operation LYNX“), wo bspw. in 2019 Einheiten des 2e R.E.I. und des 1er R.E.G. im Einsatz waren. In der Nacht zum 22.06.2022, also während des Ukrainekrieges, führte eine Kompanie des 2e R.E.P., mit einer A400M von Korsika kommend, eine Luftlandeübung (simulierter Kampfabsprung auf estnisches Gebiet) mit estnischen Truppen durch (Operation „Thunder Lynx“). Luftsicherung des Anflugs und des Absprungs erfolgte durch 2 Kampfflugzeuge (MRCA) Mirage 2000-5 der französischen Luftwaffe. Frankreich selbst hat seit 2022 die Führung der neu geschaffenen NATO-Battlegroup Rumänien inne, wodurch auch dort früher oder später Einheiten der Fremdenlegion zum Einsatz kommen werden.
Die Legion im NATO-Rahmen 2026
Aktuell (2026) ist das französische Heer, somit auch die Fremdenlegion, an 2 NATO-Battlegroups an der Ostflanke des Bündnisses beteiligt. Es handelt sich um die Mission „Aigle“ in Rumänien, die unter französischer Führung steht, sowie die Mission „Lynx“ in Estland, bei der Großbritannien die Führungsnation ist. Für „Aigle“ werden etwas mehr als 1.000 französische Soldaten gestellt, für „Lynx“ etwa 400 bis 450.
NATO-Battlegroup Estland seit 2017 (Lynx)


Die Bilder oberhalb zeigen Legionäre bei der Operation LYNX in 2017 (NATO Battaillon Estland)
Ab März 2023 wurde der französische Anteil an der NATO-Battlegroup Estonia (eFP Estland) durch Einheiten der 6. leichtgepanzerten Brigade (6e BLB) des französischen Heeres gestellt, zu der auch 4 Regimenter der Fremdenlegion gehören. Am Kontingent beteiligt sind Legionseinheiten der 13e DBLE, des 1er REC, sowie des 1er REG. Dazu kommen noch Elemente des 3e RAMa (3. Artillerieregiment der Marineinfanterie).




Zur Vorbereitung fand für Teile dieser Einheiten ab Januar 2023 die Übung „Cabrit Tempest“ auf dem deutschen Truppenübungsplatz „Sennelager“ statt, an der neben 1 Kompanie der 13e DBLE auch die „Queen’s Royal Hussars“ (ein britisches Panzerregiment) teilnehmen, die ebenfalls nach Estland verlegt werden.





NATO-Battlegroup Rumänien seit 2022 (Aigle)
Auch die im Februar 2022 in Reaktion auf den russischen Angriffskrieg auf die Ukraine im Rahmen von Enhanced Vigilance Activities (eVA) geschaffene multinationale NATO-Battlegroup in Rumänien steht unter französischer Führung. Die ersten franz. Einheiten die nach Rumänien entsendet wurden, waren 600 Gebirgsjäger der 27. Gebirgsinfanteriebrigade (27e BIM) zu der auch das 2e REG der Fremdenlegion gehört. Der französische Anteil an der Battlegroup soll in der Regel 1.000 Mann betragen. Ab dem Jahreswechsel 2022/2023 stellte eine gemischte Kampfgruppe der 7. Panzerbrigade (7e Brigade blindée/7e BB) das französische Kontingent, bestehend aus Einheiten des 3. Pionierregiments (3e RG), des 152. Infanterieregiments (152e RI) und des 1. Jägerregiments (1er RCh), verstärkt durch das nicht zur 7e BB zählende selbständige 1. Artillerieregiment (1er RA).
Das Kontingent besteht in der Regel aus einem Führungsstab, 1 Eskadron Kampfpanzer, 1 Kompanie mechanisierte Infanterie, 1 Kompanie (Sturm-)Pioniere, 1 Batterie Artillerie und 1 Luftabwehr-Element. Ausgestattet ist das Kontingent mit dem Kampfpanzer Le Clerc, dem Schützenpanzer VBCI, dem Mannschaftstransporter VAB oder Griffon, dem selbstfahrenden Artillerie-System CAESAR, schweren 120er Mörsern, leichtgepanzerten Aufklärungsfahrzeugen VBL, sowie den Luftabwehrsystemen SAMP/T-MAMBA und für den Nahbereich Mistral.
Unterhalb sehen Sie einen Videoclip über die Vorbereitung eines Kontingents der Mission Aigle Ende 2024.

Auslandseinsätze – Opérations Extérieures
Die einzelnen Kampfregimenter der Legion stellen regelmäßig sog. „Guepard-Alarmkompanien“. Beim System „Alerte Guepard“ handelt es sich um schnelle Eingreifkräfte, welche in der Regel auf Brigadeebene von Kompanien der einzelnen Regimenter gestellt werden. So sind oft 1 oder 2 Kompanien (also bis zu ca. 250 Legionäre) des 2e R.E.P. als „Compagnie Guepard“ vorgesehen, wenn die 11e Brigade Parachutiste für die Stellung der Guepard-Einheiten zuständig ist. Von den insg. dann rd. 700 Mann der Guepard-Einheiten muss die Hälfte binnen 12 Stunden einsatzbereit sein, die zweite Hälfte -spätestens- nach 48 Stunden. Ebenfalls stellt das 2e R.E.P. regelmäßig eine der beiden Fallschirmjäger-Alarmkompanien, die im Camp de Gaulle in Libreville (Gabun) stationiert sind und von dort aus binnen kürzester Zeit in ganz Afrika eingesetzt werden können.



Neben der Teilnahme an sog. „scharfen Auslandseinsätzen“ (Operations Exterieurs – OPEX) im Rahmen gemischter Kampfkontingente, sog. G.T.I.A.’s (Groupement tactique Interarmes) z.B. in Afghanistan oder Mali, bzw. der Sahelzone bestand die Aufgabe der Fremdenlegion Jahrzehnte lang darin sog. „Präsenzmissionen“ in Frankreichs ehemaligen Kolonien in Afrika durchzuführen. So wurden aufgrund bilateraler Militärabkommen mit den einzelnen Staaten Kontingente von 1 bis 2, oder -seltener- 3 Kompanien der Kampfregimenter in Länder wie den Senegal, die Elfenbeinküste (Operation Licorne/Einhorn), den Tschad (Operation Epervier/Sperber), die Zentralafrikanische Republik (Operation Boali, bzw. Sangaris), sowie weitere Staaten hauptsächlich Westafrikas entsendet, um dort an der Aufrechterhaltung (oder Wiederherstellung) der öffentlichen Ordnung mitzuwirken. Diese Missionen dauerten für die jeweiligen Einheiten in der Regel 3 bis 4 Monate, in seltenen Fällen bis zu 6 Monate, bis sie von anderen Einheiten abgelöst werden. Unterhalb sehen Sie einige Bilder dieser ehemaligen Missionen in der Elfenbeinküste und der Zentralafrikanischen Republik.




Eine weitere Aufgabe der Legionseinheiten ist die Verstärkung französischer Militärbasen in franz. Überseegebieten (z.B. Franz.-Guyana, Mayotte, Neu-Kaledonien) oder im Ausland befindlicher Basen, die aufgrund bilateraler Abkommen mit den jeweiligen Staaten existieren (Gabun, Dschibuti).

Weitgehendes Ende der Präsenz in Afrika ab 2025
Stand 2026 ist die Fremdenlegion, wie die gesamte französische Armee, weitestgehend aus Afrika abgezogen. Durch Umstürze oder anderweitige Regierungswechsel in Ländern wie Mali, Elfenbeinküste, Senegal, Burkina Faso, Niger, Tschad usw. haben die neuen (Übergangs-)regierungen dieser Staaten die Abkommen mit Frankreich aufgekündigt, was zum Abzug der französischen Truppen zwischen 2022 und 2025 führte, sowie der Schließung der größeren Basen im Senegal und der Elfenbeinküste. Präsent ist die Fremdenlegion zeitweise noch auf der französischen Basis in Dschibuti, beim 5e RIAOM – Régiment interarmes d’outre-mer, einem Regiment der französischen Marineinfanterie (incl. Luftabwehr, Artillerie und Panzeraufklärern), sowie in Gabun, wo eine gemeinsame Basis mit der Armee von Gabun betrieben wird (ehem. französische Basis „Camp de Gaulle“ in Libreville)
Unterhalb sehen Sie noch einen Artikel zum Einsatz im „Gebiet der 3 Grenzen“ im Rahmen der Operation Barkhane zwischen 2020 und 2022. Diesen lassen wir unverändert online, da es sich um den größten geschlossenen Einsatz von Einheiten der Fremdenlegion nach 1991 (Operation Daguet) handelte und er so gut wie ausschließlich von Legionseinheiten geführt wurde. Mit dem 1er R.E.C., dem 2e R.E.I. (beide verstärkt durch Pionierkompanien) und dem 2e R.E.P. waren mehr als 3 komplette Kampf-Regimenter der Fremdenlegion beteiligt.
Operation „Barkhane“ – Anti-Terror-Mission in der Sahelzone (bis 2022/2025)
Die Operation „Barkhane“ war die Fortsetzung der Operation „Serval“. Die Operation Serval begann als rein französische Interventionsmission am 11.01.2013 in Mali, nachdem verschiedene islamistische Rebellengruppen (u.a. „Al Qaida im islamischen Maghreb“ – AQMI und „Ansar Dine“) versuchten Mali unter ihre Kontrolle zu bringen, bereits Nord-Mali weitestgehend besetzt hatten und im Eiltempo Richtung Süden marschierten und die Hauptstadt Bamako bedrohten. Die malische Armee hatte nicht viel entgegenzusetzen, so dass die malische Regierung Frankreich um Hilfe bat. Frankreich verlegte schnelle Eingreifkräfte in die Region, welchen es gelang die Situation zu stabilisieren und die Islamisten zurückzudrängen. Von der Fremdenlegion war zunächst lediglich ein Teil des 3. Escadrons des 1er R.E.C. beteiligt, welches sich gerade im Rahmen der Operation „Epervier“ im Tschad aufhielt. Mitte 2013 folgten weitere Legionseinheiten in nennenswertem Umfang im Rahmen der taktischen Kampfgruppe „Desert“ (Teile des 2e R.E.I. und des 1er R.E.G.) sowie des 2e R.E.P.
Am 01.08.2014 wurde die Mission, welche nunmehr auch v.a. logistisch durch Deutschland, Großbritannien und Kanada unterstützt und im Rahmen der UN-Mission „MINUSMA“ ergänzt wurde, in „Barkhane“ umbenannt und auf die sogenannte „G-5 Sahel“ (neben Mali die Staaten Burkina Faso, Tschad, Mauretanien und Niger) ausgedehnt. Ein besonderer Brennpunkt ist dabei die historische, grenzüberschreitende Region „Liptako“, in Frankreich „Gebiet der 3 Grenzen“ genannt („La zone des trois frontières“), welche sich über die Staaten Mali, Niger und Burkina Faso erstreckt und als Hochburg und Rückzugsraum der Rebellen gilt. Anfang 2020 beschloss Frankreich beim Sicherheitsgipfel in Pau massiv gegen die Rebellen in der Region vorzugehen. Es wurden rund 1.700 Legionäre, darunter fast das gesamte 2e R.E.I., zusätzlich in das Gebiet verlegt und im Rahmen von 3 taktischen Kampfgruppen (Groupements tactique desert – GTD) gemeinsam mit Angehörigen der Streitkräfte des Niger und Malis eingesetzt. Im Einzelnen handelte es sich um die folgenden 3 GTD:
GTD „Altor“
Die Kampfgruppe operierte vom Niger aus und bestand aus Einheiten des 2e R.E.P., welche aus der Elfenbeinküste herangeführt worden waren, sowie lokalen Truppen (Streitkräfte des Niger)


GTD „Centurion“
Die Kampfgruppe Centurion bestand nahezu komplett aus Einheiten der Fremdenlegion und stand unter der Federführung des 1er R.E.C., dessen Regimentskommandeur auch gleichzeitig Kommandeur der Kampfgruppe war. Neben 3 Escadronen des 1er R.E.C. gehörten der Kampfgruppe die 5. Kompanie des 2e R.E.I., sowie die 4. Kompanie des 1er R.E.G. an. Ergänzt wurde die Kampfgruppe durch Einheiten der franz. Marineinfanterie, namentlich durch eine Batterie Artillerie des 3e RAMa und den Aufklärungs- und Sicherungszug (SAED) des 21e RIMa.


GTD „Dragon“
Die Kampfgruppe Dragon bestand ebenfalls fast ausschliesslich aus Einheiten der Legion und stand unter der Federführung des 2e R.E.I. wobei -wie bei Centurion- ebenfalls dessen Regimentskommandeur gleichzeitig als Kommandeur der Kampfgruppe fungierte. Das GTD Dragen bestand aus der Stabskompanie (CCL), sowie der 1., 3. und 4. Kampfkompanie des 2e R.E.I., wobei zusätzlich die 2. Kampfkompanie des Regiments als Reserve im Senegal stationiert wurde. Ferner gehörten 1 Aufklärungs-Escadron des 1er R.E.C. sowie 1 Pionierabteilung des 1er R.E.G. der Kampfgruppe an. Ergänzt wurde sie durch Soldaten der Streitkräfte Malis – FAMa (Forces armées maliennes)


Ende der Missionen Barkhane und Takuba in Mali ab Februar 2022
Im Februar 2022 entschlossen sich Frankreich und seine Aliierten die Missionen Barkhane (soweit es den Staat Mali betrifft) und die Spezialkräfte-Mission „Takuba“ zu beenden und die entsprechenden Truppen binnen einiger Monate aus Mali abzuziehen, da es ständig zu Behinderungen durch die malische Militärregierung kam, die sich Mitte 2021 an die Macht geputscht hatte. Auf die Ankündigung des Abzugs reagierte die malische Militärregierung mit der Aufforderung an Frankreich, alle Barkhane- und Takuba-Truppen unverzüglich aus Mali abzuziehen. Schon zuvor war ein kleineres Kontingent dänischer Spezialkräfte, die für die Mission „Takuba“ vorgesehen waren, des Landes verwiesen worden.
Die Fortführung der UN- und EU-Missionen MINUSMA und EUTM ist -Stand 19.02.2022- noch offen. UPDATE: Stand Juni/Juli 2022 stellt sich die Situation hinsichtlich „Barkhane“ so dar, dass das neue Hauptquartier der Mission im Staat Niger installiert wird. Für die Sicherung des „Umzugs“ von Mali nach Niger wurde Ende Juni ein „Groupement Tactique Desert“, eine taktische Wüstenkampfgruppe unter dem Namen „Monclar“ entsendet, die federführend aus Einheiten der 13e D.B.L.E. besteht und dem Regimentskommandeur der 13e D.B.L.E., Colonel Aubry, befehligt wird. Das GTD löst das bisherige GTD „Hermes“ ab, das unter der Führung des 21e RIMa stand. Auch die UN-Mission MINUSMA wird vermutlich vom Niger aus weitergeführt werden. Die letzten französischen Soldaten der Mission „Barkhane“, unter ihnen die Elemente der 13e D.B.L.E. haben Mali am 15.08.2022 verlassen.


Inlands-Mission „Sentinelle“
Seit einigen Jahren werden Einheiten der Fremdenlegion, meist auf Kompanie-Ebene, auch innerhalb Frankreichs eingesetzt, was früher undenkbar war. Heute nehmen jedoch auch ganz selbstverständlich Einheiten der Legion an dem Anti-Terror Einsatz „Sentinelle“ (Wächter) teil, wo ihre Aufgabe darin besteht, Flughäfen, Bahnhöfe, Weihnachtsmärkte und touristische Sehenswürdigkeiten (Eiffelturm, Arc de Triumphe, Champs Elysees, Louvre usw.) zu bewachen. Schon mehr als einmal wurden Terroranschläge durch Legionäre verhindert, im Keim erstickt oder „beendet“.




Kasernenalltag
Personen die nur oberflächliche Informationen über die Fremdenlegion haben, ihr Wissen etwa ausschließlich aus „reißerischen YouTube-Videos“ beziehen, stellen sich die Legion oftmals als „Kampfmaschine“ vor, die von einem Kampfeinsatz in den anderen zieht. Dies ist natürlich nicht der Fall. Aktuell besteht die Fremdenlegion aus insgesamt 36 reinen Kampfkompanien, also ohne Stabs-, Verwaltungs-, Logistik-, Versorgungs-, Ausbildungs- Reserve- und Instandhaltungseinheiten. Davon sind, wenn es nicht zeitgleich mehr als 1 kriegerischen Konflikt gibt an dem Frankreich beteiligt ist, maximal 25 bis 30% gleichzeitig in einem Einsatz irgendeiner Art (z.B. Kampfeinsatz in Mali, Dschungelaufklärung in Französisch-Guyana, Präsenzmissionen in afrikanischen Staaten, Mission Sentinelle). Das heißt, neben den o.g. Nicht-Kampfeinheiten schieben bis zu 75% der Kampfeinheiten Kasernendienst. Dieser ist bei den Kampfeinheiten gekennzeichnet durch Sport und stetiges Training für den „scharfen Einsatz“, entweder im Garnisionsbereich oder auf einem der zahlreichen Truppenübungsplätze in Frankreich. Da die Legionäre mehrheitlich in ihren Kasernen wohnen (mit Ausnahme von Urlaub auch am Wochenende, denn Heimfahrten an freien Wochenenden -soweit genehmigt- lohnen sich allenfalls für Legionäre, deren Angehörige in Frankreich leben), kann dieser Umstand auch durchaus mal zum sog. „Lagerkoller“ führen, zumal die Mannschaftsdiensgrade (mit teilw. Ausnahmen bei den Caporaux-Chefs) gemeinsam auf Stuben wohnen, die mit min. 5 Mann (1 Trupp) belegt sind, im Extremfall auch mal mit 10 Mann (1 Gruppe = 2 Trupps). Jeder mag sich einmal an seine Aufenthalte in Jugendherbergen oder Schullandheimen erinnern und sich vorstellen, dass diese Unterbringungssituation nicht für 1, 2 oder 3 Wochen andauert, sondern mindestens für 5 Jahre. Dazu kommt zumindest am Anfang die Sprachbarriere, da die Stubenbelegungen natürlich multi-national sind. Viele neue Bewerber unterschätzen dies, bzw. gehen fälschlicherweise davon aus, dass nach der Grundausbildung ähnliche Verhältnisse herrschen wie z.B. bei der Bundeswehr, mit regelmäßigen Heimfahren am Wochenende, Ausgang nach Dienstschluss usw.


Mythos und Wahrheit
Zu diesem Thema einige Worte vorab in eigener Sache… Unser Bestreben ist es, die Fremdenlegion so darzustellen wie sie ist. Dazu gehört auch, unbequeme Dinge anzusprechen – es ist nicht unsere Absicht, die Fremdenlegion über Gebühr zu glorifizieren. Dennoch gilt es auch mit einigen „Stammtisch-Parolen“ aufzuräumen, die nie der Wahrheit entsprachen, oder wo Dinge maßlos übertrieben wurden, die sich aber seit Jahrzehnten, vor allem im deutschsprachigen Raum, hartnäckig halten.
1.) Wurden Deutsche entführt oder von „bezahlten Werbern“ betrunken gemacht, um Ihnen eine Vertragsunterschrift unterzujubeln oder wurden sie gar zur Fremdenlegion „gepresst“?
Nein! Der allseits anerkannte Historiker und Legionsexperte Eckhard Michels ist bei seinen Recherchen auf keine Fälle von Entführungen oder bezahlten Werbern gestoßen. Richtig ist allerdings, dass während und auch noch direkt nach Ende des 2. Weltkriegs im Jahr 1945 gefangenen deutschen Soldaten in Kriegsgefangenenlagern der Aliierten angeboten wurde, in der Legion zu engagieren, um der Kriegsgefangenschaft zu entgehen. Sicherlich gab es dort auch Fälle, in denen durch die Rekrutierungsoffiziere einerseits die Gefahr des Dienstes in der Fremdenlegion heruntergespielt wurde (statt z.B. einem bevorstehenden Einsatz im Indochina-Krieg wurde „gefahrloses Wacheschieben unter Palmen“ in Nordafrika schmackhaft gemacht) und andererseits das „Schreckensbild“ der Kriegsgefangenschaft (v.a. deren voraussichtliche Dauer, ggf. drohende Auslieferung an die Sowjetunion) stark überzeichnet wurde, um so die Entscheidung der jungen Männer zu beeinflussen, was man sicherlich als „fragwürdig“ bezeichnen darf. Weiterhin gab es Fälle wo sich in den Städten, in denen sich in den 1950er Jahren die Sammelstellen für den Weitertransport zur Rekrutierungsstelle Strasbourg befanden (u.a. Offenburg, Kehl, Landau/Pfalz) viele junge Männer aus ganz Deutschland, welche zur Legion wollten, trafen und vor dem Gang zur Sammelstelle noch einen „feucht-fröhlichen Abend“ verbrachten. Wenn man sich dann genug „Mut angetrunken“ hatte, ging man gemeinsam zur Sammelstelle und oft genug war der eine oder andere „Saufkumpan“ am nächsten Morgen verschwunden. Dies führte vielfach zu der Annahme, dass es sich um Werber handelte, sich sich nach „getaner Arbeit“ aus dem Staub gemacht haben. Die Wahrheit war in aller Regel jedoch, dass die Betreffenden entweder von der Legion direkt wieder vor die Tür gesetzt wurden, weil offensichtlich komplett ungeeignet für den Militärdienst, oder aber sie in letzter Minute „kalte Füße“ bekommen haben.
Die Mär von „Entführung und Erpressung“ gründet sich hauptsächlich auf die -erfundenen- Geschichten von entweder Deserteuren oder auch von Legionären (sowohl aus West- als auch Ost-Deutschland), die nach ihrer Dienstzeit aus Indochina und Algerien zurückkehrten und für ihre Angehörigen eine Erklärung benötigten, warum sie seinerzeit bei „Nacht und Nebel“ die Familie verlassen, oder die schwangere Freundin hatten sitzen lassen, um bei der Legion zu engagieren.
Insbesondere die Legionäre, die aus dem Osten Deutschlands stammten und auch dorthin, in den mittlerweile gegründeten Staat DDR, (zurück) wollten, waren (oder wurden teilweise von der Regierung der DDR) mehr oder weniger dazu gezwungen, sich entsprechende Geschichten auszudenken, wie sie zwangsweise zur Legion kamen. Denn der DDR-Regierung war es selbstverständlich ein Dorn im Auge, dass sich Bürger ihres Staates freiwillig bei einer Armee einer „imperialistischen Macht“ verdingten, insbesondere wenn es sich dabei um die französische Fremdenlegion handelte. Nach der „Wende“ 1989 berichteten etliche ehem. Fremdenlegionäre von entsprechendem Vorgehen des Staatssicherheitsdienstes der DDR und auch in Stasi-Akten finden sich entsprechende Vermerke.
Kommunistische Agitatoren in Diensten der DDR, bzw. der SBZ (sowjetisch besetzte Zone) waren Ernst Busch (Schauspieler, Sänger diverser kommunistischer Kampflieder im spanischen Bürgerkrieg, dem 2. Weltkrieg und dem Indochinakrieg) und Winfried „Si Mustapha“ Müller (Stalinist, Mitarbeiter des Geheimdienstes der FLN und Leiter des sog. „Rückführungsdienstes“ der FLN in Algerien, mit Sitz in Spanisch-Marokko). Während Busch hauptsächlich durch seine Lieder und direkt an deutsche Fremdenlegionäre gerichtete und per Funk ausgestrahlte Aufrufe zum Überlaufen zur „Volksarmee Vietnams“ bekannt wurde, war „Mustapha Müller“ praktischer veranlagt. Durch Aufrufe, Handzettel usw. und teilweise -wie er später selbst zugab- mit Gewalt wurden in Algerien deutsche Legionäre zur Desertion (deutsch: Desertation) animiert, wobei ihnen versprochen wurde, dass sie in die Heimat, nach Deutschland, geschickt würden. Der Erfolg hielt sich jedoch in Grenzen. Keinesfalls liefen ganze Züge oder Kompanien geschlossen über, oder gar Bataillone, wie Müller behauptete. Es war eine -sicherlich nicht ganz geringe- Anzahl einzelner Legionäre, die überlief. Die Zahl von alleine rd. 2700 Deutschen, die Müller und seine heutigen „Fans“ in Feld führen, darf als übertrieben angesehen werden und der Tatsache geschuldet sein, dass Müller ein „sehr guter PR-Mann in eigener Sache“ war und sich jeden desertierten Legionär an die Fahne heftete, gleich ob dieser jemals Kontakt zur FLN hatte, oder nicht. Jedenfalls gibt es keine objektiven Beweise für diese Zahl. In Gesprächen mit zahlreichen ehem. deutschen Legionären, welche in Algerien dienten, stellte sich heraus, dass sich niemand an eine signifikante Zahl von „zur FLN übergelaufenen Legionären“ aus seinem Regiment während seiner Dienstzeit erinnern konnte. Auch war es eine relativ kleine Anzahl von Legionären, die von der FLN tatsächlich wohlbehalten nach Deutschland geschafft wurde. Denn bei der Legion zu desertieren war nicht gleichbedeutend damit, wohlbehalten nach Deutschland zu kommen. Zunächst mussten die Deserteure Spanisch-Marokko erreichen. Auf dem Weg dorthin wurden einige von Banditen ausgeraubt und mit durchgeschnittener Kehle in der Wüste gefunden, oder -wenn sie etwas mehr Glück hatten- von algerischen Bauern gefangen genommen und -gegen Prämie- wieder bei der Fremdenlegion abgeliefert. Auch nach der Ankunft in Spanisch-Marokko war die Lage keineswegs immer sicher. Insbesondere in den ersten Jahren des „Rückführungsdienstes“ wurden etliche Deserteure von den Behörden Spanisch-Marokkos inhaftiert und wieder nach Algerien (an die Franzosen) ausgeliefert, ohne dass die FLN dies verhindern konnte. Erst nach der Unabhängigkeit Marokkos besserte sich die Lage, da die neue Regierung enger mit der FLN zusammenarbeitete.
2.) Wurde oder wird die Fremdenlegion als „Kanonenfutter“ eingesetzt?
Nein! … jedenfalls nicht so, wie es vielfach dargestellt wird. Natürlich war die Fremdenlegion nahezu komplett bis 1954 in Indochina, sowie bis zum Waffenstillstand 1962 in Algerien eingesetzt, dies traf aber auch auf sehr viele andere französische Truppen zu, welche mit der Legion Seite an Seite kämpften. Durch den Einsatz der Legion in diesen Konflikten konnte Frankreich auf die Entsendung weiterer „einheimischer Truppen“ verzichten. Wobei hinsichtlich Algerien noch anzumerken ist, dass das Land seit dem 19. Jahrhundert die „Heimat“ der Fremdenlegion war. Es liegt in der Natur der Sache, dass man in einem Konflikt dort die Truppen einsetzt, die ohnehin vor Ort sind. Nach Algerien gab es keinen größeren Kriegs-Einsatz mehr, bei dem alleine die Legion ins Feld geschickt wurde. Das französische Boden-Kontingent z.B. im 2. Golfkrieg bestand etwa zu 50% aus Einheiten der Fremdenlegion, während der Rest vom „regulären“ franz. Heer gestellt wurde. Insbesondere das 2e R.E.P., seinerzeit neben dem 2e R.E.I. mit das kampfstärkste Regiment der gesamten französischen Armee, kam im zweiten Golfkrieg nicht zum Einsatz, ebensowenig wie die 13e D.B.L.E. In Konflikten wie denen in Afghanistan oder Mali setzte Frankreich sog. G.T.I.A.’s (Groupement tactique interarmes) ein, zu Deutsch etwa „gemischte Kampfgruppe“. Deren Anteil an Legionseinheiten macht in der Regel max. 20 bis 25% aus, teilweise auch weniger. Gut zu erkennen ist dies auch am Beispiel der Operation Serval (Mali). Als Frankreich dort im Januar 2013 intervenierte gehörten zu den in den ersten 4 Wochen eingesetzten Truppen (insgesamt 2.500 Mann) hauptsächlich Einheiten der Marineinfanterie (Troupes de Marine: RIMa und RPIMa – Einheiten) sowie Luftlandeeinheiten der „regulären“ Armee. Legionsseitig war lediglich 1 Peloton (= 1 Zug, also weniger als 50 Mann mit 3 AMX 10 RC-R Radpanzern) eines Eskadrons des 1er R.E.C. beteiligt, welches zufällig gerade im Tschad operierte, sowie -ab Ende Januar- die (verstärkte) 2. Kompanie des 2e R.E.P., welche über Timbuktu absprang und den Flughafen einnahm. Damit machte der Anteil an Legionseinheiten etwa 10% der eingesetzten Truppen aus. Und dabei reden wir nur von Bodentruppen des Heeres, also Marine (Marine nationale) und Luftwaffe (Armee de l’Air) nicht mitgerechnet.

Erst als Ende Mai 2013, also 4,5 Monate nach Beginn des Einsatzes, das von der 6e B.L.B. gestellte G.T.I.A. „Desert“ nach Mali entsendet wurde, waren weitere Legionseinheiten in nennenswertem Umfang beteiligt, namentlich Einheiten des 1er R.E.C. (1 Eskadron mit AMX 10 RC-R), des 1er R.E.G. (Pioniere und Minenräumer), sowie des 2e R.E.I. (taktischer Führungsstab des G.T.I.A. und die 4e Compagnie de Combat mit VAB).
Der letzte größere Kampfeinsatz, den alleine Kampftruppen der Fremdenlegion durchführen, war die „Operation Bonité / Leopard“ in Kolwezi (Zaire) 1978.
Auch anhand schlichter Zahlen lässt sich die, auch heute noch im deutschsprachigen Raum kursierende, Geschichte vom „Kanonenfutter“ leicht widerlegen: Von 562 Gefallenen, die die französische Armee insgesamt nach 1962 (Ende Algerienkrieg) in Auslandseinsätzen (bis 2019) zu beklagen hatte, gehörten genau 73 der Fremdenlegion an, also weniger als 15%.
Gibt es Unterschiede zur „regulären“ französischen Armee ?
Ja, die gibt es auch heute noch. Während die Fremdenlegion -wie weiter oben schon dargestellt- heute nicht mehr autark eingesetzt wird, sondern schon seit Jahrzehnten in die Strukturen des Heeres implementiert ist, und Legionäre den selben Sold bekommen, die selbe (wenn nicht bessere) Ausrüstung haben, sowie grds. die selben Rechte und Pflichten, gibt es bei den „Rechten“ Ausnahmen. Legionäre sind verpflichtet innerhalb der ersten 5 Dienstjahre innerhalb ihrer Kaserne zu wohnen, d. h. auf einer Stube die sie sich mit mind. 4 weiteren Legionären (im Extremfall mit 9) teilen müssen. Der Unterhalt/die Anmietung einer eigenen Wohnung ist während dieser Zeit nicht gestattet. Eine Ausnahme hiervon besteht nur für Legionäre die innerhalb der ersten 5 Jahre zum Unteroffizier (Sergent) befördert werden, was aktuell in der Praxis relativ selten vorkommt, oder erst Ende des 4./Anfang des 5. Dienstjahres. Zweck dieser Regelung ist es, die größten Teile der jeweiligen Regimenter 24 Stunden an 365 Tagen im Jahr einsatzbereit zur Verfügung zu haben. Auch eine Heirat ist einem Legionär in den ersten 5 Jahren nicht gestattet, danach nur mit Erlaubnis der Legion. Will ein Legionär innerhalb der ersten 5 Jahre ein Kraftfahrzeug besitzen/erwerben, benötigt er dafür die Erlaubnis seines Kompaniechefs. Legionäre die noch unter „Anonymat“ dienen, also nicht unter ihrem echten Namen, dürfen solange dies der Fall ist nur auf französischem Hoheitsgebiet Urlaub machen. Da Frankreich jedoch auf der ganzen Welt sog. „Überseedepartements“ hat (z.B. Martinique, La Reunion, Guadeloupe, Mayotte) sowie weitere „Überseegebiete“ wie Französisch-Polynesinen (Tahiti, die Marquesas) oder auch den franz. Teil der Insel St. Martin/Sint Maarten in der Karibik, ist hier reichlich Auswahl vorhanden. Und auch im französischen Mutterland gibt es ja sehr schöne Urlaubsziele, wie die Bretagne usw. Lediglich ein Urlaub in der „Heimat“ lässt sich schwierig gestalten, bzw. ist erlaubterweise nicht möglich, solange man unter „Anonymat“ steht. Für Legionäre die ihren Urlaub in der Nähe ihrer Garnision in Süd-Frankreich verbringen wollen, oder per Befehl müssen, unterhält die Fremdenlegion ein eigenes Ferienzentrum in La Malmousque (Marseille), das C.C.P.L.E.M. (Centre des convalecents et des permissionnaires de la Légion étrangère). Daneben gibt es noch eine Urlaubsherberge für Legionäre in La Ciotat (nahe der Cote d’Azur), das C.H.A.L.E. (Centre d’Hébergement et d’Accueil de la Légion Etrangère). Legionäre haben in den ersten 2 Dienstjahren weniger Urlaub (20 Tage im 1. Jahr, 35 Tage im 2. Jahr), als ab dem 3. Jahr. Die vollen 45 Werktage Urlaub stehen einem Legionär erst ab dem 3. Dienstjahr zu. Ferner verfügen Legionäre unter „Anonymat“ lediglich über einen Militärdienstausweis (Carte d’Identité Militaire), keine sonstigen Personalpapiere. Dadurch ist es Ihnen z.B. nicht möglich ein Bankkonto bei einer beliebigen Bank zu eröffnen. Sie erhalten durch Vermittlung der Fremdenlegion jedoch ein Basis-Konto unter ihrem Anonymats-Namen bei der Bank Crédit Agricole (ähnlich den deutschen Volks- und Raiffaisen-Banken) incl. Karte für den Bankautomaten zum Geld abheben. Auf dieses Konto wird auch ihr Sold überwiesen.

Vielfach wird auch über „brutale Ausbildungsmethoden“ berichtet. Die Wahrheit liegt, soweit es die Legion „von heute“ angeht -wie so oft- in der Mitte. Die Ausbildung bei der Fremdenlegion ist zweifellos härter, strapaziöser und umfangreicher als bei vielen anderen Einheiten des französischen Heeres. Aber dies ist kein Alleinstellungsmerkmal. Auch die Fallschirmjäger der „Troupes de Marine“ (franz. Fallschirm-Marineinfanterie, abgekürzt: RPIMa, zum Heer gehörig) erhalten eine vergleichbar „harte“ Ausbildung. Auch die „Ausbildungshärte“ bestimmter (Spezial-)Einheiten der deutschen Bundeswehr, wie die der Fernspäher oder des KSK, stehen der Legionsausbildung in Sachen Härte nicht viel nach. Vermeintliche körperliche Züchtigungen, Prügelstrafen etc. wie sie teilweise in Algerien noch vorkamen sind natürlich auch bei der Fremdenlegion seit langem verboten. Da Legionäre in der Regel keine „Chorknaben“ sind (ein hoher Legionsoffizier benutzte einmal den -anerkennend gemeinten- Begriff „Engel mit etwas Schei**e auf den Flügeln“) kann es allenfalls und selten einmal vorkommen, dass ein z.B. Gruppenführer einem untergebenen Legionär eine Ohrfeige verpasst, wenn dieser eine Anweisung zum 3. Mal hintereinander falsch ausführt, weil er nicht konzentriert ist. Solche Dinge werden aber auch unter Legionären nicht als dramatisch angesehen, sondern als „Wiederherstellung der Aufmerksamkeit“. Dennoch sollte der Gruppenführer darauf bedacht sein, dass kein höherer Unteroffizier oder gar Offizier dergleichen mitbekommt.
Vorteile, die sich für ausländische Legionäre ergeben ist z.B. die Möglichkeit bei Bedarf nach 3 Jahren tadelloser Dienstzeit die französische Staatsbürgerschaft beantragen zu können, die allerdings erst einige Jahre später oder beim Ausscheiden aus der Legion tatsächlich verliehen wird. Für viele Bewerber aus dem nicht-europäischen Raum ist diese Möglichkeit der Hauptgrund bei der Fremdenlegion zu engagieren, können sie doch so nach ihrer Dienstzeit in Frankreich, oder als französische Bürger in jedem anderen EU-Staat (Schengen) sesshaft werden und ggf. auch die Familie aus dem Heimatland nachkommen lassen. Ein Legionär, der im Einsatz eine -schwerere- Verletzung davon trägt, kann aufgrund dessen ebenfalls die französische Staatsbürgerschaft erwerben ( Gesetz Nr 99-1141 vom 29. Dezember 1999) getreu dem Motto „Français par le sang versé“ (Franzose durch vergossenes Blut). Ferner haben Legionäre mit 45 Werktagen pro Jahr relativ viel Urlaub. Die Bezahlung entspricht der der „regulären“ französischen Armee, kann jedoch durch Zulagen und Einsatzprämien (in sog. „scharfen Einsätzen“ wie in Mali oder Afghanistan wird bis zu 3facher Sold gezahlt) erheblich steigen. Auch bei der Stationierung in einem französischen Überseedepartement wird erhöhter Sold gezahlt. Näheres dazu finden Sie unter Besoldung.

