Operation Léopard – Kolwezi 1978

Die Operation Léopard (oder auch Bonité) war ein Einsatz des nahezu kompletten 2ème R.E.P. der Fremdenlegion im Mai 1978 in Zaïre (ehemals Belgisch-Kongo oder Kongo-Kinshasa, heute Demokratische Republik Kongo) welcher unter anderem dazu beigetragen hat, den bis dahin zwielichtigen bis schlechten Ruf der Fremdenlegion vor allem auch in Deutschland gründlich aufzupolieren.  Durch seinen waghalsigen Absprung auf Kolwezi verdiente sich das 2ème R.E.P. weltweite Anerkennung.

In Zaïre wurden mehr als 2100 europäische Zivilisten vor der sicheren Massakrierung durch aufständische Rebellen (insg. ca. 3.500 Mann), die sogenannten „Tiger“, die unter dem Befehl des Rebellenführers Nathaniel M’Bumba von Angola aus kommend in die Region um Kolwezi eingefallen waren, gerettet. Diese Kampf-Operation war die bisher letzte, die von einem Regiment der französischen Armee völlig autonom, also ohne irgendwelche anderweitige Unterstützung durch andere Einheiten durchgeführt wurde (ausser natürlich dem Lufttransport über 6000 Kilometer von Korsika nach Zaïre). Dieser Umstand war hauptsächlich auf die sofortige Verfügbarkeit des 2ème R.E.P. zurückzuführen, so wie es auch heute noch der Fall ist. Nicht umsonst heisst einer der Leitsprüche des 2ème R.E.P.: „Egal wo, egal wann“. Neueren Datums wäre lediglich der Kampfabsprung der (verstärkten) 2. Kompanie des 2ème R.E.P. auf den Flughafen von Gao in Mali im Jahr 2013 zu erwähnen, der jedoch vom Umfang her nicht vergleichbar ist, zumal es in Gao zu der Zeit zu so gut wie keinen Kampfhandlungen kam, da der Gegner sich bereits zurückgezogen hatte.

Die Operarion Léopard begann am 17. Mai 1978, als das 2ème R.E.P. morgens um 10:00 Uhr auf Befehl des französischen Staatspräsidenten alarmiert wurde. Noch am selben Tag starteten Teile des Regiments unter seinem Kommandeur, dem Colonel Phillip Erulin, über den Millitärflughafen Solenzara auf Korsika Richtung Abidjan (Elfenbeinküste), der Rest folgte am Tag darauf.

Es waren somit der Etat-Major-Tactique (taktischer Regimentsführungsstab) sowie 5 Kampfkompanien (die Compagnies de Combat 1 bis 4, sowie die C.E.A.), somit nahezu das komplette Regiment, die sich am 17. und 18. Mai 1978 am Flughafen von Abidjan sammelten um von dort weiter nach Zaïre, zunächst in die Hauptstadt Kinshasa, transportiert zu werden, wo sie am 19. Mai um 02:30 Uhr eintrafen.

Um 11:00 Uhr bestiegen ein Teil des Stabes, sowie die Compagnies de Combat 1 bis 3 (zusammen mehr als 450 Mann) 5 Hercules C-130, die von der U.S.-Air Force bereitgestellt wurden, sowie eine Transall C-160 der französischen Luftwaffe und führten gegen 14:30 Uhr einen Kampfabsprung auf Kolwezi durch. Die 4. Kompanie und die C.E.A. folgten einige Stunden später auf die selbe Weise.  Die Rebellen, die offensichtlich damit gerechnet hatten, es -wenn überhaupt- mit belgischen Para-Einheiten zu tun zu bekommen (Zaïre, bzw. der Kongo war ehemals eine belgische Kolonie) waren äußerst „unangenehm überrascht“, als sie plötzlich von einem Regiment Fallschirmjäger der Franzosen angegriffen wurden.

Nachdem Sie realisierten, dass es sich dabei um das 2ème R.E.P. der Fremdenlegion handelte, war die „Überraschung“ umso größer und umso unangenehmer, wie sie bald feststellen sollten. Dennoch verliessen die „Tiger“ sich auf Ihre bessere Ausrüstung und ihre zahlenmäßige Überlegenheit. Die Rebellen waren über kommunistische Staaten, die auch deren rudimentäre taktische Ausbildung übernommen hatten (u.a. waren Offiziere der NVA der DDR als Ausbilder tätig) mit modernen AK 47 – Kalaschnikow Sturmgewehren ausgestattet, während die Legionäre noch mit MAT 49 Maschinenpistolen ausgerüstet waren, die bereits im Indochina-Krieg ab 1950, sowie in Algerien im Einsatz waren. Das moderne FAMAS-Sturmgewehr, die noch heutige Standardwaffe der franz. Armee (wird seit 2017 nach und nach durch das HK 416 von Heckler & Koch ersetzt), wurde erst später eingeführt. Ferner verfügten die Rebellen über schwere MG, sowie sogar gepanzerte Fahrzeuge. Die Fallschirmjäger der Legion waren über die Standardwaffen hinaus (MAT 49, Scharfschützengewehr FR-F 1) lediglich mit einigen leichten Maschinengewehren vom Typ AA-52, sowie einigen 81er Mörsern ausgerüstet.

Bildlizenzhinweis MG AA-52: Crochet.davidPorte ouverte 18RT-15 juin 2009 arme militaire03CC BY-SA 3.0

Letztlich setzen die Rebellen ihre Hoffnung darauf, dass sie neben der besseren Bewaffnung von der Mannschaftsstärke her den Franzosen um das drei- bis fünffache überlegen waren (es ist unklar, wie viele der 3.500 Tiger-Rebellen tatsächlich direkt in der Stadt Kolwezi waren und dort an den Kämpfen teilnahmen, jedoch kann man von mind. 2.000 Mann ausgehen). Trotz dieser widrigen Umstände gelang des dem 2ème R.E.P. die Rebellen binnen 2 Tagen niederzukämpfen und die Lage in Kolwezi unter Kontrolle zu bringen. In den Folgetagen wurden noch versprengte Rebellengruppen ausgemacht, aufgespürt und neutralisiert, bzw. so sie sich ergaben, gefangen genommen. Am 27. Mai verlegten alle Einheiten des Regiments nach Lumbumbashi, mit Ausnahme der 3. Kompanie und eines 81er Mörserzuges, welche in Kolwezi zur Sicherung verblieben. Am 04. Juni schließlich machte sich das komplette Regiment auf die Heimreise nach Calvi. Die Operation Léopard war erfolgreich beendet.

Befreite belgische Kinder mit Legionären des 2°R.E.P.

Zusammenfassung und Ergebnis der Operation:

Vor Eintreffen des 2ème R.E.P. waren seit dem 13. Mai, also binnen 5 bis 6 Tagen, ca. 160 europäische Zivilisten, sowie ca. 600 einheimische Zivilisten von M’Bumbas Tiger-Rebellen aufs grausamste massakriert worden.

Die zairische Armee griff nicht ein! Positiv sind diesbezüglich einige Züge des 311. zairischen Fallschirmjägerbattailons  hervorzuheben, welche sich den Rebellen verbissen entgegenstellten, aber letztendlich keine Chance hatten, diese zu besiegen.

Mehr als 2.100 europäische Zivilisten (meist Belgier und Franzosen), sowie unzählige Einheimische wurden aus den Klauen der Rebellen vor dem sicheren Tod gerettet.

247 Tiger-Rebellen wurden eliminiert, 163 gefangen gesetzt. Der Rest konnte sich zurück über die Grenze nach Angola absetzen. Für den prinzipiell möglichen Einsatz der französischen Luftwaffe sie durch einen Luftangriff aufzuhalten, blieb der entsprechende Befehl aus.

20 Legionäre des  2ème R.E.P. wurden bei den Kämpfen verwundet.

5 Legionäre sind in und um Kolwezi gefallen. Bis auf den Sergent-Chef Daniel (4e Compagnie)  alle gehörten der 1er Compagnie de Combat an.       


Gedenktafel für die Gefallenen der Operation Léopard
Sergent-Chef Daniel
Caporal-Chef Allioui 
Caporal Arnold
Caporal Harte
Légionnaire Clément

Erwähnenswert ist noch der Umstand, dass in Kolwezi gleich mehrere Legionäre und Offiziere im Einsatz waren, welche später Regimentskommandeure des 2ème R.E.P. (Chef de corps) und/oder Oberbefehlshaber der Fremdenlegion (COMLE) wurden oder auf andere Weise eine gewisse „Berühmtheit“ innerhalb der Legion erlangten:


– Phillipe Erulin (Colonel, Regimentskommandeur  2ème R.E.P. in Kolwezi)
– Stéphane Coevoet (Capitaine, „Chef operations“ in Kolwezi, 1988-1990    Regimentskommandeur des 2ème R.E.P.)
– Yannick Lallemand (Kath. Regimentspfarrer in Kolzwezi, Berühmtheit in der Legion)
– Michel Poulet (Capitaine, Kompaniechef der 1. Kompanie in Kolwezi, 
1988-1990 Regimentskommandeur des 2ème R.E.P., später 4-Sterne General)
– Benoît Puga (Lieutenant, Zugführer „Vert 3“ in der 1. Kompanie in Kolwezi, 1996-1998 Regimentskommandeur des 2ème R.E.P., später Kommandeur aller französischen Spezialeinheiten – GCOS, 5-Sterne General )
– Renaud Dubos (Capitaine, Kompaniechef der 2. Kompanie in Kolwezi, später Regimentskommandeur des 3ème R.E.I. und Militärgouverneur des Verteidigungsbereichs Süd-Ost, 3-Sterne General)
– Rémy Gausserès (Kompaniechef der 3. Kompanie in Kolwezi, 1992-1994 
 Regimentskommandeur des 2ème R.E.P., 3-Sterne General, seit 2013 President des Dachverbandes ehemaliger Fremdenlegionäre – FSALE)
– Kurt Hessler (Adjudant-Chef, in Kolwezi Kompaniefeldwebel der 3. Kompanie und Führer des Kompaniezuges – Section Commandement, später als Capitaine Kompaniechef der 1. Grundausbildungskompanie im 4ème R.E. und Verwendung im Hauptquartier der Fremdenlegion in Aubagne, bekannter deutscher Legions-Offizier, der sich aus den Mannschaftsrängen zum Offizier hochgedient hat (sog. „Officier Kepi Blanc“)
– Zlatko Sabljic (als „Zlatko Sablek“ Sergent in Kolwezi, Gruppenführer im Zug „Noir 1“ der 3. Kompanie, später als Capitaine Kompaniechef der C.C.S. im 2ème R.E.P. und Kompaniechef der Transitkompanie im G.R.L.E., als Commandant/Major Verwendung im Führungsstab der Fremdenlegion – COM.LE. in Aubagne, nach 38 Dienstjahren als Lieutenant-Colonel ausgeschieden und seit dem (08/2012) Direktor des Veteranenwohnheims für Legionäre in Auriol, „Officier Kepi Blanc“) 
– Bernard Grail (Capitaine, Kompaniechef der 4. Kompanie in Kolwezi, später Regimentskommandeur des 4ème R.E. sowie 1999-2001 Oberkommandierender der Fremdenlegion – COMLE, 3-Sterne General)
– Bruno Dary (Lieutenant, Zugführer des Zuges „Gris 2“ der 4. Kompanie in Kolwezi, 1994-96 Regimentskommandeur des 2ème R.E.P., ab 2002 als Brigadegeneral Kommandeur der 6. leichten Infanteriebrigade in Nimes, welcher auch mehrere Regimenter der Fremdenlegion angehören, 2004-2006 Oberkommandierender der Fremdenlegion – COMLE, 2012 als 5-Sterne General in den Ruhestand gegangen)
– Jean-Claude Saulnier (als „Julien Soral“ Legionär im Zug „Vert 3“ der 1. Kompanie in Kolwezi, dort verwundet, 34 Dienstjahre im 2ème R.E.P., lediglich unterbrochen von mehreren Kommandierungen in die  Überseeregimenter in Französisch-Guyana und Dschibuti, abgegangen als Adjudant-Chef, Autor des Buches „Une vie de légionnaire : De Kolwezi à l’Afghanistan avec le 2e REP“ 


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