3° R.E.I.

Aufgestellt 1921 – Standort: Quartier Forget in Kourou/Französisch-Guyana – Regimentsstärke 2018: 647 Mann (davon 485 Legionäre auf Langzeiteinsatz (3 Jahre), sowie 162 Mann des franz. Heeres auf Kurzzeiteinsatz (rotierend alle 4 Monate), sowie bei Bedarf -als 4e Compagnie de Reserve- 79 Mann, bestehend aus ehemaligen Militärs, sowie Einheimischen)
 Regimentskommandeur seit 2017: Colonel (COL) Louis-Antoine LAPARRA


Auf Brigadeebene ist das Regiment den Forces armées en Guyane (F.A.G., „Französische Streitkräfte in Guyana„) unterstellt.

Das 3ème R.E.I. ist wohl neben dem 2ème R.E.P. das in der deutschen Öffentlichkeit bekannteste Regiment der Fremdenlegion. War und ist es doch Thema zahlreicher T.V. – Dokumentationen und Youtube-Videos, wobei in der Regel und in der Hauptsache nur über die Dschungelkampfschule (C.E.F.E.) der franz. Armee berichtet wird, die vom Regiment betrieben wird. Nicht wenige „schlecht Informierte“ glauben daher, dass der Dienst in der Fremdenlegion ausschließlich daraus besteht, sich durch den Dschungel von Französisch-Guyana zu kämpfen.

Das 3ème R.E.I. ging 1921 aus dem „Régiment de Marche de la Légion Etrangère“ (R.M.L.E.), hervor, welches 1915 aufgestellt wurde. Dem R.M.L.E. unter der Führung von Colonel Rollet gelang es am 14. September 1918 -als erster französischen Einheit überhaupt- die bis dahin als unüberwindlich geltende „Hindenburglinie“ zu durchbrechen und somit entscheidend an der deutschen Niederlage des 1. Weltkrieges mitzuwirken. Es ist das am höchsten ausgezeichnete Regiment der Fremdenlegion. Das 3ème R.E.I. wurde während des 2. Weltkrieges im Juli 1943 erneut in R.M.L.E., sowie im Juli 1945 endgültig in 3ème R.E.I. umbenannt. Legionäre des R.M.L.E. sowie des 1er R.E.C. stellten in einer entscheidenden Phase des 2. Weltkrieges Ende 1944/Anfang 1945 einen hohen Anteil an Soldaten an der Seite der alliierten Truppenverbände, die über das Elsass, den Schwarzwald, Baden, Württemberg sowie Bayern bis tief hinein nach Österreich vorstießen. Unter anderem war das Regiment (gemeinsam mit der 13° D.B.L.E.) Ende Januar/Anfang Februar 1945 an den Gefechten bei Colmar und Strasbourg beteiligt. Das Regiment ist der Wächter und Behüter der Traditionen des R.M.L.E., und der 14. September (Durchbruch der Hindenburglinie 1918, Fête de la Fourragère) ist auch heute noch der offizielle Feiertag des 3ème R.E.I.. 

Bildquelle: ECPAD

Nach dem Ende des 2. Weltkrieges wurde das Regiment im Dezember 1945 nach Indochina verlegt, wo es unter anderem an der Entscheidungsschlacht um Indochina 1953/1954 in Diên Biên Phu beteiligt war. Zu dieser Zeit, genauer gesagt am 01.04.1948, wurde im 3ème R.E.I. die allererste Fallschirmjägereinheit der Fremdenlegion aufgestellt, die „Compagnie Parachutistes du 3ème R.E.I.“, welche ein gutes Jahr später, im Mai/Juni 1949, mit dem neu aufgestellten 1er Bataillon des Parachutistes (1er B.E.P.) zusammengelegt wurde. Nach seiner Rückkehr aus Indochina im Dezember 1954 wurde das Regiment zunächst in Algerien stationiert und 1962 auf die Insel Madagaskar im indischen Ozean verlegt. Dort bestand es zwischenzeitlich aus 6 Kompanien (Stabskompanie, 4 Kampfkompanien und 1 gepanzertes Escadron) unter dem Kommando von Colonel Mattei. 1964 fand eine große Umstrukturierung statt: Das Regiment erhält (wieder) den Status eines Überseeregiments, d.h. die Dienstzeit der einzelnen Legionäre im Regiment beträgt jeweils 2 Jahre. Die bisherige 1. und 2. Kompanie werden aufgelöst. Die bisherige 3. und 4. Kompanie werden in 1. und 2. Kompanie umbenannt. Das „Escadron blindée“ (gepanzertes Escadron) wird auf einen Zug (Peloton blindée) verkleinert. Eine Logistik-Kompanie (Compagnie de Base) wird neu aufgestellt. Die 2. Kompanie wird ab 1967 dauerhaft auf der Inselgruppe der Komoren stationiert. Die Kompanie verteilt sich auf die Stützpunkte Moroni, Anjouan und Dzaoudzi  (Insel Mayotte)

Ankunft der 2. Kompanie in Dzaoudzi/Mayotte 1967

Seit 1973 schliesslich ist das 3ème R.E.I. in dem französischen Überseedepartement Französisch-Guyana stationiert, mit Ausnahme der 2e Compagnie, welche auf den Komoren verbleibt und aus der das D.L.E.C. (Detachement de la Legion Etrangere de Comores) gebildet wird (das heutige D.L.E.M.). In Französisch-Guyana hat das Regiment unter anderem die Bewachung des europäischen Weltraumbahnhofes bei Kourou (Centre Spatial Guyanais, C.S.G.) sowie grenzsichernde Maßnahmen an den Staatsgrenzen zu Brasilien im Osten sowie Surinam im Westen des Departements zur Aufgabe. Das Regiment besteht heute aus rd. 500 Fremdenlegionären, die für jeweils 3 Jahre in Guyana stationiert sind. Diese Truppenstärke allein wäre jedoch zu gering, um all die an das 3ème R.E.I. gestellten Anforderungen zu erfüllen. Deshalb wird die Stammbesetzung des Regiments durch etwa 160 Soldaten anderer Einheiten der regulären französischen Armee (Pioniere, Flugabwehr, usw.), welche im Rhytmus von 4 Monaten ausgetauscht werden, ergänzt. Für größer angelegte Operationen, oder auch zur Dschungelkampfausbildung, werden von Zeit zu Zeit auch komplette Kompanien anderer Legionsregimenter nach Guyana entsendet Ferner kann bei Bedarf die 4e Compagnie de Reserve aktiviert werden, die aus rd. 80 Mann besteht und sich aus ehem. Legionären, die in Kourou leben, anderen franz. Militärs, sowie Einheimischen mit besonderen Kenntnissen (z.B. Bootsführer) zusammensetzt. Die Stationierungsdauer für Langzeitstationierte betrug beim 3e R.E.I. bis ca. 2010, wie auch bei den anderen Überseeregimentern der Legion, 2 Jahre. Auf Wunsch und bei Bedarf konnte sie um 1 Jahr auf 3 Jahre verlängert werden. Ab 2010 war nur noch eine 2jährige Stationierung möglich, was 2014/2015 erneut dahingehend geändert wurde, dass nunmehr 3 Jahre die Regelstationierungsdauer für Langzeitstationierte ist.  

Operation Titan

Eine der 4 grundlegenden Aufgaben des Regiments ist die Bewachung des Europäischen Weltraumbahnhofs in Kourou (Centre Spatial Guyanais, C.S.G.)  von wo die europäischen Ariane-Raketen in den Weltraum starten. Auch die jeweiligen Raketenstarts werden aufwändig durch die besten Einheiten des Regiments (u.a. S.A.E.D.) abgesichert.

Operation Harpie

Die Operation Harpie dient der Unterbindung des illegalen Goldwaschens im Dschungel von Guyana durch Goldwäscher, welche meist aus Brasilien über den Grenzfluß Oyapock ins Land kommen. Die Mission beschränkt sich in der Regel darauf, verlassene Camps der Goldsucher aufzuspüren und das dort noch vorhandene Equipement zu zerstören, denn natürlich haben die Goldsucher „Spione“ in Kourou, sowie in Camopi und St. Georges, wo sich 2 weitere -kleine- Außenposten des 3ème R.E.I. befinden. Sie sind also in aller Regel gut informiert, sobald eine Section des Regiments gegen sie ausrückt. Anders ist die Lage teilweise wenn die S.A.E.D. (Section d’aide à l’engagement débarqué) in Aktion tritt. Dieser der C.C.S. angegliederte Dschungel-Spezialzug wird mit Hubschraubern auf Lichtungen nahe erkannter Goldgräbercamps, oder direkt über einem Fluß abgesetzt und ist in der Lage die Camps in relativ kurzer Zeit zu erreichen. In diesen Fällen kam es auch schon zu Schusswechseln zwischen Goldgräbern und Legionären.

Bilder © L.E./3e R.E.I.

Das Bild oberhalb zeigt Angehörige der S.A.E.D. In der Mitte stehend: Der deutsche Kommandeur der Einheit, Capitaine Gisbert L.


Grenzsicherung

Eine weitere wichtige Aufgabe des Regiments besteht in der Sicherung der Grenze zu Brasilien. Wobei sich die „Sicherung“ selbstverständlich auf regelmäßige Patrouillen entlang der Grenze, die entweder durch den Dschungel oder den Grenzfluß Oyapock führt beschränkt. Solch eine Mission dauert mehrere Wochen und es wird dabei halb Guyana durchquert. Selbstverständlich wird auch bei diesen Einsätzen gegen illegale Goldwäscher oder Holzdiebe vorgegangen, sofern sie angetroffen werden. Eine weitere, halb als amüsant anzusehende, aber dennoch wichtige Aufgabe während dieser Missionen ist es, die „7 Bornes“ mittels GPS-Ortung aufzufinden. Dabei handelt es sich um 7 Grenzsteine mitten im Dschungel, die -jeweils hunderte KM auseinander liegend- die Grenze zwischen Französisch-Guyana (somit der EU) und Brasilien markieren. Es wird überprüft ob die Grenzsteine noch am richtigen Platz sind und sie werden von überwuchernden Pflanzenwuchs befreit.

Bilder © L.E./3e R.E.I.


Ausbildung / C.E.F.E.

Eine weitere, überaus wichtige und anspruchsvolle Aufgabe für das 3ème R.E.I. ist der Betrieb der Dschungelkampfschule (centre d’entraînement à la forêt équatoriale, C.E.F.E.) der Fremdenlegion in der Nähe von Régina im Süden von Französisch-Guyana. Dort werden nicht nur Legionäre im Dschungelkampf und Überlebenstraining ausgebildet, sondern auch andere Einheiten der franz. Armee, sowie auch (Kommando-) Verbände von Armeen anderer befreundeter Staaten, so z.B. aus Deutschland (KSK), den Niederlanden (Corps Kommandotroepen), den USA (US-Marines) usw.. Ferner wird der „Stage Jaguar“ durchgeführt, eine Dschungelausbildung an der gleichzeitig Soldaten verschiedener befreundeter Streitkräfte teilnehmen, in der Regel ausgesuchte Offiziere oder höhere Unteroffiziere. Die Ausbildung im C.E.F.E. wird von sehr erfahrenen Offizieren und Unteroffizieren geleitet, welche wiederum häufig die Dschungelkampfschulen der brasilianischen Armee in Manaos (SELVA) besuchen, um Ihre Kenntnisse zu vertiefen. Das Personal des C.E.F.E. trägt im Gegensatz zum Rest des Regiments Uniformen im sog. „Tigerstripe“. Die Absolvierung der Ausbildung im C.E.F.E. gehört zum Pflichtprogramm eines jeden Offiziersanwärters von Saint Cyr, der wohl renommiertesten französischen Offiziersschule.

Bilder © L.E./3e R.E.I.


Struktur des Regiments

Das 3ème R.E.I. wird aus fünf Kompanien gebildet:

  • der Compagnie de Commandement et de Soutien (C.C.S.)

Diese Kompanie besteht sowohl aus Legionären (Permantens = Legionäre die für 3 Jahre in Guyane stationiert sind) als auch Angehörigen der „regulären“ Armee und Legionären die im Rahmen einer 4monatigen Kurzmission dort eingesetzt sind. Die C.C.S. ist für die gesamte Logistik des Regiments verantwortlich, sowohl in der Kaserne als auch im Dschungel und auf den Flüssen. Ferner untersteht ihr die Dschungelkampfschule C.E.F.E. Auch ist der C.C.S. die „Section d’Aide à l’Engagement Débarqué“ (S.A.E.D.) angeliedert, ein Aufklärungs- und Sicherungszug, der in der Lage ist, innerhalb kürzester Zeit per Hubschrauber im Dschungel abgesetzt zu werden (durch abseilen oder Sprung aus dem Hubschrauber über einem Fluß) und z.B. illegale Goldgräbercamps einzunehmen und zu besetzen, bis Verstärkung vor Ort ist. Auch für Geiselbefreiungen im Dschungel ist dieser Zug hervorragend einsetzbar. Der Zug wird seit Sommer 2017 von einem deutschen Oberleutnant der Legion, bzw. mittlerweile Hauptmann (Capitaine) kommandiert.

  • der 2ème Compagnie de Combat d’Infanterie

Diese hervorragend im Dschungelkampf ausgebildete Kompanie ist innerhalb kürzester Zeit für Dschungelmissionen einsetzbar und führt gemeinsam mit der Gendarmerie die dem 3eme R.E.I. übertragenen Aufgaben im Rahmen der „Operation Harpie“ (Aufspüren illegaler Goldsucher, Grenzsicherung) durch. Die 2eme Compagnie besteht aus 3 Kampfsectionen, sowie einer Unterstützungssection (Section d’Appui) welche wiederum aus einer Gruppe „Milan“, einer Gruppe Mortier 81 LLR und einer Section Scharfschützen (Tireur d’élite) besteht. Ferner ist ein Aufklärungszug (Section de reconnaissance régimentaire (SRR)) der Kompanie angegliedert, der die Aufgaben eines klassischen Dschungelspähzuges wahrnimmt. Die 2e Compagnie nahm im Rahmen eines französischen Battalions in 2004 an der Operation „Carbet“ auf Haiti teil, welche von den vereinten Nationen initiert wurde und die Lage im Land nach den gewalttätigen Unruhen rund um den Sturz des damaligen Präsidenten Aristide, beruhigen sollte.

  • der 3ème Compagnie de Combat d’Infanterie

Die 3eme Compagnie besteht (ebenso wie die 2e) ausschliesslich aus Legionären, ist ähnlich aufgebaut und nimmt größtenteils die selben Aufgaben wahr. Diese reine Legionskompanie wurde 2010 neu (wieder-)aufgestellt und löste eine Compagnie PROTERRE (reg. Armee) ab.

  • der Compagnie d’Appui (CA)

Diese Kompanie setzt sich aus 2 Sektionen Boden-Luft Artillerie und einer Sektion Pioniere zusammen. Die Kompanie nimmt im Rahmen der „Operation TITAN“ den Schutz des Luftraums, hauptsächlich in Bezug auf das Raumfahrtzentrum, wahr und ist für die gesamte Infrastruktur des Regiments (Elektrizität, Sanitär, Kaserneninstandhaltung allgemein, usw.) verantwortlich. Ferner ist die Kompanie in der Lage kurzfristig die beiden Kampfkompanien im Dschungeleinsatz zu unterstützen. Diese Kompanie wird, von vereinzelten Ausnahmen bei den Pionieren abgesehen, ausschliesslich aus Angehörigen der regulären Armee gebildet, die im Rahmen einer MCD (Kurzmission) für 4 Monate in Guyane eingesetzt sind.

  • der 4eme Compagnie de Réserve

Das Personal dieser Kompanie hat die Aufgabe, das Personal der Operationen „Harpie“ und „Titan“ bei Bedarf zu unterstützen. Es sind einige ehem. Legionäre, andere franz. Militärs, sowie Angehörige des Zivilschutzes integriert, welche In Kourou leben.


Regimentslied 3e R.E.I. (original in deutsch)


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