Geschichte

Die Geschichte der französischen Fremdenlegion

Ausländische Soldaten, die für Frankreich kämpfen, haben eine Jahrhunderte alte Tradition

Schon vor dem Auftreten der Fusstruppen des “Regiments Hohenlohe”, dem direkten Vorläufer der heutigen, modernen Fremdenlegion im späteren Mittelalter, wurden von Frankreich mehr als 400 voneinander unabhängige Fremdenregimenter, die grösstenteils aus ein und denselben Nationalitäten (Schweizer, Deutsche, Iren, etc.) gebildet wurden, aufgestellt, welche mit viel Aufopferung und Treue der französischen Sache dienten und sich grösstenteils sehr gut bewährt hatten. Anfang des 19. Jahrhunderts jedoch löste Frankreich -so wie die meisten europäischen Staaten- seine aus Ausländern bestehenden Truppen mangels Bedarf auf. Trotzdem stand man vor der Herausforderung, dass man sich natürlich um seine ehemaligen Berufssoldaten kümmern musste, die nach den imperialistischen Kriegen ebenso schwierig ein Auskommen fanden wie zahlreiche politische Flüchtlinge aus anderen europäischen Staaten, welche in Frankreich um Asyl nachsuchten.

So kam es nicht ungelegen, dass die beginnende Eroberung Algeriens schon bald massive Truppenverstärkungen in Nordafrika erforderten. Die Geburtsstunde der Fremdenlegion -so wie sie mehr oder weniger heute noch besteht- war gekommen.  Am 10. März 1831 wurde durch einen königlichen Erlass von Louis-Philippe, König der Franzosen, eine neue Einheit gegründet. Die Grafik links zeigt das Decret zur Gründung der Fremdenlegion durch König Louis-Philippe I. 

Seit diesem Tag wird die Legion überall auf der Welt dort eingesetzt, wo französische Interessen zu vertreten sind. 

Die ersten Freiwilligen (Deutsche, Schweizer, Italiener, Spanier, Polen…) verplichteten sich aus unterschiedlichsten Gründen: Kriegshunger, Abenteuerlust, politische Überzeugung, wirtschaftliche Zwänge, Asylsuche usw; es war durchaus möglich, sich auch ohne Ausweispapiere zu verpflichten. Die ersten Legionäre wurden im August 1831 nach Algerien eingeschifft um bei der Eroberung und Befriedung dieses Landes eingesetzt zu werden. Algerien in Nordafrika wurde dann auch “ihr” Land; wurde doch von der Legion 1843 die Stadt Sidi-Bel-Abbès gegründet, welche für weit mehr als ein Jahrhundert der Hauptsitz der Fremdenlegion war. 

Am 29. Juni 1835, vier Jahre nach ihrer Gründung, wurde die Fremdenlegion zwecks Kampf gegen Don Carlos an die spanische Königin Isabelle II. verkauft. Von 4000 Legionären, die bereitwillig hinter ihren Offizieren nach Spanien zogen um dort im sogenannten “Karlistenkrieg” zu kämpfen, kamen nach 3 Jahren nur 500 Überlebende nach Frankreich zurück. Schon zu dieser Zeit in der noch jungen Geschichte der Legion war die Treue der Legionäre in die Unterschrift unter den Verpflichtungsvertrag Ehrensache.

Karlistenkrieg

Der Verkauf der Fremdenlegion an Spanien und der damit verbundene Abzug aus Algerien schwächte Frankreichs Position in Algerien stark, so dass Louis-Philippe am 16. Dezember 1835, weniger als sechs Monate nach dem Verkauf der ersten Legion, eine neue Legion gründete, die alsbald in die Fussstapfen ihrer Vorgängerin trat. Während dieser Zeit kam die Legion u.a. im Krim-Krieg (1854-1856) sowie in Italien (1859) zum Einsatz sowie schliesslich auch in Mexiko, wo die Legion eine ihrer wohl glorreichsten Schlachten schlug:

Camerone

Am 30. April 1863 standen bei der Haçienda von Camerone 3 Offiziere und 62 Legionäre gegen 2000 Mexikaner und hielten die Stellung über den ganzen Tag. Am Abend verteidigten sich die letzten 5 kampffähigen Überlebenden dieser heldenhaften Schlacht mangels Munition mit aufgepflanztem Bajonett gegen die feindliche Übermacht (s.a. Rubrik Camerone unter “Einsätze”). 

Diese Schlacht ist noch heute wie ein Symbol. Ein Symbol des Widerstandes gegen den Feind bis zum letzten Mann, bis zur letzten Patrone und sollte die Lage auch noch so aussichts- und hoffnungslos sein. Sie ist ein Symbol für die bedingungslose Aufopferung zur Ausführung eines Befehls, ein Symbol für die Solidarität unter Legionären und die Treue in das durch Unterschrift auf dem Vertrag gegebene Versprechen.

Bis heute ist der 30.04. eines jeden Jahres, der “Tag von Camerone” der höchste Feiertag der Fremdenlegion, noch vor dem Weihnachtsfest. Jedes Jahr finden zu diesem Anlass große Feierlichkeiten im Hauptquartier der Legion in Aubagne statt, mit einer Parade, die regelmäßig live vom französischen TV übertragen wird, sowie einer anschließenden Kirmes (“Kermesse”) in der Kaserne, über mehrere Tage. Auch in den einzelnen Regimentern der Fremdenlegion ist zu diesem hohen Feiertag “Tag der offenen Tür” mit Feierlichkeiten und Paraden. Eine der wenigen Gelegenheiten für Zivilisten einmal eine Kaserne der Fremdenlegion zu betreten und gemeinsam mit Fremdenlegionären zu feiern. Und wer daran schon einmal teilgenommen hat, wird bestätigen können, dass Legionäre zu feiern wissen.

1870 kam es zu Spannungen zwischen Frankreich und Preussen. Freiwillige aus aller Herren Länder kamen in die Rekrutierungsstellen der Fremdenlegion entlang der Staatsgrenzen um sich der Fremdenlegion anzuschliessen und Frankreich zu verteidigen. Getreu ihrer Tradition war die Legion auch bei diesem Konflikt an allen Fronten beteiligt. 

Ab 1883 schliesslich wurde die Legion dann in Übersee eingesetzt. Sie war an allen wichtigen Schauplätzen an allen Ecken und Enden der Welt wo Frankreichs Interessen zu vertreten waren, präsent. Tonkin (1883-1940), Formosa (1885), Sudan (1892-1893), Dahomey (1892-1894), Siam (1893-1897), Madagaskar (1895-1905) sowie Marokko (1900-1934). Die Legionäre kamen, kämpften und bauten. Die militärischen und kolonialen Führer Frankreichs schätzten den Wert dieser Truppe, von der man alles verlangen konnte, sehr hoch ein. 

Der Ruf der Legion schon zu dieser Zeit lässt sich wohl mit der Forderung des Generals Gallieni, welcher bestimmt war, das Expeditionscorps auf Madagaskar zu führen und folgende Forderung stellte, am besten verdeutlichen:

“Ich verlange, dass mir 600 Mann der Fremdenlegion mitgegeben werden um -sollte es so weit kommen- ehrenvoll und angemessen fallen zu können”.

Erster Weltkrieg

Bei Ausbruch des 1. Weltkrieges war der grösste Teil der Fremdenlegionäre mit Bauarbeiten in Marokko beschäftigt. Die meisten von ihnen, die aus Zentraleuropa stammten, wurden nicht nach Frankreich an die verschiedenen Fronten geschickt. Sie blieben in Marokko, um die Bauarbeiten weiter voranzutreiben. 

Dennoch wurden für den Einsatz im 1. Weltkrieg mehrere Marschregimenter gegründet, welche dann am 11. November 1915 wegen hoher Verluste zu einem einzigen vereint wurden, dem berühmten Marschregiment der Fremdenlegion (Régiment de Marche de la Légion Etrangère (R.M.L.E.). Unter der Führung von Colonel Rollet brachte das RMLE nach vier Jahren -zusammen mit dem kolonialen Infanterieregiment von Marokko- die höchstdekorierte Fahne der französischen Truppen aus dem 1. Weltkrieg zurück.

R.M.L.E. Bildlizenznachweis rechtes Bild: G.GaritanDrapeau RMLE 09974CC BY-SA 4.0

Levant und Maghreb

Ab 1920 wurde eine neue Periode der Fremdenlegion eingeleitet. Es war dies die Periode des Levants (Syrien und Libanon), sowie Marokko mit Kampanien im Rif-, Atlas-, sowie im Drusengebirge. Zu dieser Zeit waren die Legionäre Soldaten und Bauarbeiter zugleich; sie sicherten den Frieden und bauten Strassen, Häfen, und Städte, sie waren also massgeblich am Aufbau einer funktionierenden Infrastruktur beteiligt.

© Bilder Legion Etrangere

Zweiter Weltkrieg

Mit Ausbruch des 2. Weltkrieges strömten einmal mehr viele ausländische Freiwillige aus allen Ecken der Welt in die Rekrutierungsstellen der Fremdenlegion um die Freiheit Frankreichs zu verteidigen. Die 13ème D.B.L.E., ein während des Krieges aufgestelltes Marschregiment (R.M.L.E.), das 1er R.E.C., das 11. und 12. Fremdenregiment, das 21., 22., und 23. Freiwillige Fremdenmarschregiment (Régiment de Marche de Volontaires Etrangers (R.M.V.E.), aufgestellt für die Dauer des Krieges) sowie drei Bataillone freiwilliger Pioniere kamen an den verschiedenen französischen Fronten zum Einsatz. So stand in Nordafrika die 13e D.B.L.E. mehrfach dem Deutschen Afrikacorps unter Generaloberst (später Generalfeldmarschall) Erwin Rommel gegenüber. Entsprechende Gefechte gab es bei der Wüstenoase Bir Hakeim in Libyen, etwa 65 KM südlich von Tobruk, als auch bei El Alamein in Ägypten. Auch auf deutscher Seite waren ehemaligen. Fremdenlegionäre eingesetzt. Diese (angeblich 2000 Mann) wurden nach dem Waffenstillstand mit Frankreich 1940 in die Wehrmacht übernommen und in das Infanterieregiment 361 (auch: verstärktes Afrika-Regiment 361) integriert, welches im Rahmen der 90. (leichten) Afrikadivision gegen die 8. britische Armee eingesetzt wurde. Einmalig in der Geschichte kam es im 2. Weltkrieg auch zu einer direkten Konfrontation von Einheiten der Legion gegeneinander. In Syrien standen sich 1942 die 13e D.B.L.E. auf Seite der Alliierten und das 6e R.E.I., das unter dem Befehl des deutsch-freundlichen Vichy-Regimes stand im Kampf gegenüber. Die kämpfe entschieden die Alliierten für sich. Den Ausschlag gab jedoch keine Einheit der Legion sondern eine australische Division. Nach Ende der Kämpfe liefen die Legionäre des 6e R.E.I. mehrheitlich zur 13e D.B.L.E. über.

Legionäre des 6e R.E.I. in Syrien – © ecpad france

Ende 1942, nach der alliierten Operation “Torch”, wechselten schliesslich auch alle anderen Legionsregimenter vom Vichy-Regime zu den Alliierten über und kämpften sowohl in Nordafrika, als auch später in Europa (Frankreich, Deutschland, Österreich) gegen Hitlerdeutschland. So waren sowohl das 1er R.E.C. als auch das 3e R.E.I. (als R.M.L.E.) und die 13e D.B.L.E. Ende 1944/Anfang 1945 an der Seite der alliierten Streitkräfte am Einmarsch nach Deutschland über das Elsass (Kämpfe bei Strasbourg und Colmar), den Schwarzwald, Baden, Württemberg sowie Bayern, teilweise bis tief hinein nach Österreich beteiligt. Während des Krieges zahlte die Legion mit dem Leben von über 9.000 Gefallenen aus ihren Reihen das von Frankreich in sie gesetzte Vertrauen mehr als zurück.

Funkspruch von Generaloberst Rommel an die franz. Truppen bei Bir Hakeim

Die Grafik oberhalb zeigt einen von dem Befehlshaber des deutschen Afrikacorps, dem damaligen Generaloberst Erwin Rommel, an die Verteidiger von Bir Hakeim, zu denen auch die unter dem Befehl von General Pierre-Marie Koenig stehende 13e D.B.L.E. gehörte. Entgegen des Befehls Hitlers soll Rommel sich geweigert haben gefangene deutsche Fremdenlegionäre an Ort und Stelle zu erschiessen.

Legionäre der 13e D.B.L.E. bei Bir Hakeim

Indochina

Der 2. Weltkrieg neigte sich seinem Ende entgegen, als sich auch schon in Indochina die Lage verschärfte. Das 5e Régiment Etranger d’Infanterie (5e R.E.I.), das “Regiment von Tonkin”, wurde von Japan -unter Missachtung der Vereinbarungen über einen Waffenstillstand- im März 1945 fast vollständig vernichtet. Durch einen abenteuerlichen Rückzug gelang es den wenigen Überlebenden, sich in den Süden Chinas durchzuschlagen um sich dort am 6. Februar 1946 zu sammeln.

Das 2e Régiment Etranger d’Infanterie (2e R.E.I.) wurde nach Saigon verlegt, gefolgt von der 13e Demi-Brigade de la Légion Etrangère (13e D.B.L.E.), dem 3e Régiment Etranger d’Infanterie (3e R.E.I.) sowie dem 1er Régiment Etranger de Cavalerie (1er R.E.C.).

Die letzten Legionäre verliessen Indochina im Januar 1956. Mit ihrem Abzug beendeten sie eine 72 Jahre andauernde Anwesenheit, wovon die letzten 10 Jahre praktisch nur aus Kämpfen bestanden. Dadurch wurden diese 10 Jahre ab der Schlacht von Phu Tong Hoa bis zum Kampf um Diên Biên Phu mit über 10.000 Gefallenen zu den blutigsten und verlustreichsten in der Geschichte der Fremdenlegion. Allein in der Schlacht um Dien Bien Phu von Herbst 1953 bis Mai 1954 beklagt die Legion 1.500 Gefallene und 4.000 zum Teil schwer Verwundete

Insgesamt war die Indochinakampagne auch der Beginn der Epoche in der hauptsächlich Deutsche die Mannschaften und Unteroffiziere der Fremdenlegion ausmachten. Ende der 1940er/Anfang der 1950er Jahre bestand die Fremdenlegion mindestens zu 2/3 (manche sprechen von 3/4) aus Deutschen. Für detailierte Informationen über die Fremdenlegion in Indochina empfehlen wir das ganz hervorragende Internetprojekt von Lars Metzger: More-Majorum – Die Fremdenlegion in Indochina. Auch in unserer Literaturliste finden sich mehrere Werke zum Thema.

Algerien

Fortsetzung folgt in Kürze ….


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