Geschichte

Die Geschichte der französischen Fremdenlegion

Ausländische Soldaten, die für Frankreich kämpfen, haben eine Jahrhunderte alte Tradition

Schon vor dem Auftreten der Fusstruppen des “Regiments Hohenlohe”, einem direkten Vorläufer der heutigen, modernen Fremdenlegion im späteren Mittelalter, wurden von Frankreich mehr als 400 voneinander unabhängige Fremdenregimenter, die grösstenteils aus ein und denselben Nationalitäten (Schweizer, Deutsche, Iren, etc.) gebildet wurden, aufgestellt, welche mit viel Aufopferung und Treue der französischen Sache dienten und sich grösstenteils sehr gut bewährt hatten. Anfang des 19. Jahrhunderts jedoch löste Frankreich -so wie die meisten europäischen Staaten- seine aus Ausländern bestehenden Truppen mangels Bedarf auf. Trotzdem stand man vor der Herausforderung, dass man sich natürlich um seine ehemaligen Berufssoldaten kümmern musste, die nach den imperialistischen Kriegen ebenso schwierig ein Auskommen fanden wie zahlreiche politische Flüchtlinge aus anderen europäischen Staaten, welche in Frankreich um Asyl nachsuchten.

So kam es nicht ungelegen, dass die beginnende Eroberung Algeriens schon bald massive Truppenverstärkungen in Nordafrika erforderte. Die Geburtsstunde der Fremdenlegion -so wie sie mehr oder weniger heute noch besteht- war gekommen.  Am 10. März 1831 wurde durch einen königlichen Erlass von Louis-Philippe, König der Franzosen, eine neue Einheit gegründet. Die Grafik links zeigt das Decret zur Gründung der Fremdenlegion durch König Louis-Philippe I. 

Seit diesem Tag wird die Legion überall auf der Welt dort eingesetzt, wo französische Interessen zu vertreten sind. 

Die ersten Freiwilligen (Deutsche, Schweizer, Italiener, Spanier, Polen…) verplichteten sich aus unterschiedlichsten Gründen: Kriegshunger, Abenteuerlust, politische Überzeugung, wirtschaftliche Zwänge, Asylsuche usw. Es war durchaus möglich, sich auch ohne Ausweispapiere zu verpflichten. Die ersten Legionäre wurden im August 1831 nach Algerien / Nordafrika eingeschifft, um bei der Eroberung und Befriedung dieses Landes eingesetzt zu werden. Algerien wurde dann auch “ihr” Land, wurde doch von der Legion 1843 die Stadt Sidi-Bel-Abbès gegründet, welche für weit mehr als ein Jahrhundert der Hauptsitz der Fremdenlegion war. 

Am 29. Juni 1835, vier Jahre nach ihrer Gründung, wurde die Fremdenlegion zwecks Kampf gegen Don Carlos an die spanische Königin Isabelle II. verkauft. Von 4000 Legionären, die bereitwillig hinter ihren Offizieren nach Spanien zogen um dort im sogenannten “Karlistenkrieg” zu kämpfen, kamen nach 3 Jahren nur 500 Überlebende nach Frankreich zurück. Schon zu dieser Zeit in der noch jungen Geschichte der Legion war die Treue der Legionäre in die Unterschrift unter den Verpflichtungsvertrag Ehrensache.

Karlistenkrieg

Der Verkauf der Fremdenlegion an Spanien und der damit verbundene Abzug aus Algerien schwächte Frankreichs Position in Algerien stark, so dass Louis-Philippe am 16. Dezember 1835, weniger als sechs Monate nach dem Verkauf der ersten Legion, eine neue Legion gründete, die alsbald in die Fussstapfen ihrer Vorgängerin trat. Während dieser Zeit kam die Legion unter anderem im Krim-Krieg (1854-1856) zum Einsatz, an der Seite der Briten, Osmanen und Sardinien-Piemonts gegen die Russen z.B. bei der Schlacht um Sewastopol. Noch heute sieht man teilweise an den AMX 10 RC Radpanzern des 1er R.E.C. im Einsatz die von der Besatzung aufgebrachte Aufschrift ” Sébastopol “, zur Erinnerung an diese Schlacht.

Französische Truppen beim Sturm auf die Festung Malakoff bei Sewastopol im Krimkrieg 1855

Ferner wurde die Legion in Italien eingesetzt und schliesslich kam es zur Kampagne in Mexico, wo sie für den von Napoleon III. als Kaiser von Mexico eingesetzten Maximilian I. von Habsburg gegen die Truppen des mexikanischen Präsidenten Benito Juarez kämpfte. Dort focht die Legion eine ihrer glorreichsten Schlachten…

Camerone

Am 30. April 1863 standen bei der Haçienda von Camerone 3 Offiziere und 62 Legionäre gegen 2000 Mexikaner und hielten die Stellung über den ganzen Tag. Am Abend verteidigten sich die letzten 5 kampffähigen Überlebenden dieser heldenhaften Schlacht mangels Munition mit aufgepflanztem Bajonett gegen die feindliche Übermacht (s.a. Rubrik Camerone unter “Einsätze”). 

Diese Schlacht ist noch heute wie ein Symbol. Ein Symbol des Widerstandes gegen den Feind bis zum letzten Mann, bis zur letzten Patrone und sollte die Lage auch noch so aussichts- und hoffnungslos sein. Sie ist ein Symbol für die bedingungslose Aufopferung zur Ausführung eines Befehls, ein Symbol für die Solidarität unter Legionären und die Treue in das durch Unterschrift auf dem Vertrag gegebene Versprechen.

Bis heute ist der 30.04. eines jeden Jahres, der “Tag von Camerone” der höchste Feiertag der Fremdenlegion, noch vor dem Weihnachtsfest. Jedes Jahr finden zu diesem Anlass große Feierlichkeiten im Hauptquartier der Legion in Aubagne statt, mit einer Parade, die regelmäßig live vom französischen TV übertragen wird, sowie einer anschließenden Kirmes (“Kermesse”) in der Kaserne, über mehrere Tage. Auch in den einzelnen Regimentern der Fremdenlegion ist zu diesem hohen Feiertag “Tag der offenen Tür” mit Feierlichkeiten und Paraden. Eine der wenigen Gelegenheiten für Zivilisten einmal eine Kaserne der Fremdenlegion zu betreten und gemeinsam mit Fremdenlegionären zu feiern. Und wer daran schon einmal teilgenommen hat, wird bestätigen können, dass Legionäre zu feiern wissen.

Deutsch-Französischer Krieg 1870/71

1870 kam es zu Spannungen zwischen Frankreich und Preussen. Freiwillige aus aller Herren Länder kamen in die Rekrutierungsstellen der Fremdenlegion entlang der Staatsgrenzen um sich der Fremdenlegion anzuschliessen und Frankreich zu verteidigen. Getreu ihrer Tradition war die Legion auch bei diesem Konflikt an allen Fronten beteiligt.  Das Foto zeigt französische Truppen im Lager Ile Chambrière bei Metz.

Bundesarchiv Bild 146-1970-053-87, Deutsch-französischer Krieg 1870-71CC BY-SA 3.0 DE

Übersee ab 1883 …

Ab 1883 schliesslich wurde die Legion dann in Übersee eingesetzt. Sie war an allen wichtigen Schauplätzen an allen Ecken und Enden der Welt wo Frankreichs Interessen zu vertreten waren, präsent. Tonkin (1883-1940), Formosa (1885), Sudan (1892-1893), Dahomey (1892-1894), Siam (1893-1897), Madagaskar (1895-1905) sowie Marokko (1900-1934). Die Legionäre kamen, kämpften und bauten. Die militärischen und kolonialen Führer Frankreichs schätzten den Wert dieser Truppe, von der man alles verlangen konnte, sehr hoch ein.  Das Bild rechts zeigt eine Karte der Bucht von Diego Suarez, dem Hauptquartier der Legion auf Madagascar im Jahr 1894. Der Ruf der Legion schon zu dieser Zeit lässt sich wohl mit der Forderung des Generals Gallieni, welcher bestimmt war, das Expeditionscorps auf Madagaskar zu führen und folgende Forderung stellte, am besten verdeutlichen:

“Ich verlange, dass mir 600 Mann der Fremdenlegion mitgegeben werden um -sollte es so weit kommen- ehrenvoll und angemessen fallen zu können”.

Erster Weltkrieg

Bei Ausbruch des 1. Weltkrieges war der grösste Teil der Fremdenlegionäre mit Bauarbeiten in Marokko beschäftigt. Die meisten von ihnen, die aus Zentraleuropa stammten, wurden nicht nach Frankreich an die verschiedenen Fronten geschickt. Sie blieben in Marokko, um die Bauarbeiten weiter voranzutreiben. 

Dennoch wurden für den Einsatz im 1. Weltkrieg mehrere Marschregimenter gegründet, welche dann am 11. November 1915 wegen hoher Verluste zu einem einzigen vereint wurden, dem berühmten Marschregiment der Fremdenlegion (Régiment de Marche de la Légion Etrangère (R.M.L.E.). Unter der Führung von Colonel Rollet brachte das RMLE nach vier Jahren -zusammen mit dem kolonialen Infanterieregiment von Marokko- die höchstdekorierte Fahne der französischen Truppen aus dem 1. Weltkrieg zurück.

R.M.L.E. Bildlizenznachweis rechtes Bild: G.GaritanDrapeau RMLE 09974CC BY-SA 4.0

Levant und Maghreb

Ab 1920 wurde eine neue Periode der Fremdenlegion eingeleitet. Es war dies die Periode des Levants (Syrien und Libanon), sowie Marokko mit Kampagnen im Rif-, Atlas-, sowie im Drusengebirge. Zu dieser Zeit waren die Legionäre Soldaten und Bauarbeiter (“Soldat et Batisseur”) zugleich, sie sicherten den Frieden und bauten Strassen, Häfen, und Städte, sie waren also massgeblich am Aufbau einer funktionierenden Infrastruktur beteiligt.

© Bilder Legion Etrangere

Zweiter Weltkrieg

Mit Ausbruch des 2. Weltkrieges strömten einmal mehr viele ausländische Freiwillige aus allen Ecken der Welt in die Rekrutierungsstellen der Fremdenlegion um die Freiheit Frankreichs zu verteidigen. Die 13e D.B.L.E., ein während des Krieges aufgestelltes Marschregiment (R.M.L.E.), das 1er R.E.C., das 11. und 12. Fremdenregiment, das 21., 22., und 23. Freiwillige Fremdenmarschregiment (Régiment de Marche de Volontaires Etrangers (R.M.V.E.), aufgestellt für die Dauer des Krieges) sowie drei Bataillone freiwilliger Pioniere kamen an den verschiedenen französischen Fronten zum Einsatz. So stand in Nordafrika die 13e D.B.L.E. mehrfach dem Deutschen Afrikacorps unter Generaloberst (später Generalfeldmarschall) Erwin Rommel gegenüber. Entsprechende Gefechte gab es bei der Wüstenoase Bir Hakeim in Libyen, etwa 65 KM südlich von Tobruk, als auch bei El Alamein in Ägypten. Auch auf deutscher Seite waren ehemalige Fremdenlegionäre eingesetzt. Diese (angeblich 2000 Mann) wurden nach dem Waffenstillstand mit Frankreich 1940 in die Wehrmacht übernommen und in das Infanterieregiment 361 (auch: verstärktes Afrika-Regiment 361), eine sog. “Bewährungseinheit” integriert, welches im Rahmen der 90. (leichten) Afrikadivision gegen die 8. britische Armee eingesetzt wurde. Einmalig in der Geschichte kam es im 2. Weltkrieg auch zu einer direkten Konfrontation von Einheiten der Legion gegeneinander. In Syrien standen sich 1942 die 13e D.B.L.E. auf Seite der Alliierten und das 6e R.E.I., das unter dem Befehl des deutsch-freundlichen Vichy-Regimes stand, im Kampf gegenüber. Die Kämpfe entschieden die Alliierten für sich. Den Ausschlag gab jedoch keine Einheit der Legion, sondern eine australische Division. Nach Ende der Kämpfe liefen die Legionäre des 6e R.E.I. mehrheitlich zur 13e D.B.L.E. über.

Legionäre des 6e R.E.I. in Syrien – © ecpad france

Ende 1942, nach der alliierten Operation “Torch”, wechselten schliesslich auch alle anderen Legionsregimenter vom Vichy-Regime zu den Alliierten über und kämpften sowohl in Nordafrika, als auch später in Europa (Frankreich, Deutschland, Österreich) gegen Hitlerdeutschland. So waren sowohl das 1er R.E.C. als auch das 3e R.E.I. (als R.M.L.E.) und die 13e D.B.L.E. Ende 1944/Anfang 1945 an der Seite der alliierten Streitkräfte am Einmarsch nach Deutschland über das Elsass (Kämpfe bei Strasbourg und Colmar), den Schwarzwald, Baden, Württemberg sowie Bayern, teilweise bis tief hinein nach Österreich beteiligt. Während des Krieges zahlte die Legion mit dem Leben von über 9.000 Gefallenen aus ihren Reihen das von Frankreich in sie gesetzte Vertrauen mehr als zurück.

Funkspruch von Generaloberst Rommel an die franz. Truppen bei Bir Hakeim

Die Grafik oberhalb zeigt einen von dem Befehlshaber des deutschen Afrikacorps, dem damaligen Generaloberst Erwin Rommel, an die Verteidiger von Bir Hakeim, zu denen auch die unter dem Befehl von General Pierre-Marie Koenig stehende 13e D.B.L.E. gehörte, abgesetzten Funkspruch. Entgegen des Befehls Hitlers soll Rommel sich geweigert haben gefangene deutsche Fremdenlegionäre an Ort und Stelle zu erschiessen.

Die 13e D.B.L.E. bei Bir Hakeim

Indochina

Der 2. Weltkrieg neigte sich seinem Ende entgegen, als sich auch schon in Indochina die Lage verschärfte. Das 5e Régiment Etranger d’Infanterie (5e R.E.I.), das “Regiment von Tonkin”, wurde von Japan -unter Missachtung der Vereinbarungen über einen Waffenstillstand- im März 1945 fast vollständig vernichtet. Durch einen abenteuerlichen Rückzug gelang es den wenigen Überlebenden, sich in den Süden Chinas durchzuschlagen um sich dort am 6. Februar 1946 zu sammeln.

Das 2e Régiment Etranger d’Infanterie (2e R.E.I.) wurde nach Saigon verlegt, gefolgt von der 13e Demi-Brigade de la Légion Etrangère (13e D.B.L.E.), dem 3e Régiment Etranger d’Infanterie (3e R.E.I.) sowie dem 1er Régiment Etranger de Cavalerie (1er R.E.C.).

Die letzten Legionäre verliessen Indochina im Januar 1956. Mit ihrem Abzug beendeten sie eine 72 Jahre andauernde Anwesenheit, wovon die letzten 10 Jahre praktisch nur aus Kämpfen bestanden. Dadurch wurden diese 10 Jahre ab der Schlacht von Phu Tong Hoa bis zum Kampf um Diên Biên Phu mit über 10.000 Gefallenen zu den blutigsten und verlustreichsten in der Geschichte der Fremdenlegion. Allein in der Schlacht um Dien Bien Phu von Herbst 1953 bis Mai 1954 beklagt die Legion 1.500 Gefallene und 4.000 zum Teil schwer Verwundete

Insgesamt war die Indochinakampagne auch der Beginn der Epoche in der hauptsächlich Deutsche die Mannschaften und Unteroffiziere der Fremdenlegion ausmachten. Ende der 1940er/Anfang der 1950er Jahre bestand die Fremdenlegion mindestens zu 2/3 (manche sprechen von 3/4) aus Deutschen. Für detailierte Informationen über die Fremdenlegion in Indochina empfehlen wir das ganz hervorragende Internetprojekt von Lars Metzger: More-Majorum – Die Fremdenlegion in Indochina. Auch in unserer Literaturliste finden sich mehrere Werke zum Thema.

Algerien

Schon vor der Einstellung der Feindseligkeiten in Indochina begannen die ersten Unruhen in Nordafrika. Neben Marokko und Tunesien kämpfte die Legion in der damals französischen Kolonie Algerien und war hauptsächlich zur Verfolgung von Terroristen und gegen die algerische Unabhängigkeitsbewegung FLN (Front de Libération Nationale) eingesetzt. Jedoch wurde Algerien von Frankreich aus politischen Gründen alsbald aufgegeben und die Fremdenlegion verliess dieses Land, welches 130 Jahre lang ihre Heimat war.

Kompanie des 1er R.E. beim Ausmarsch aus dem Quartier Vienot in Sidi-Bel-Abbes / Algerien, © lalegion.info (mit herzlichem Dank an den ehem. Caporal des 2e R.E.P. Ortwin A.)

Im April 1961 gab es einen Putsch von 4 französischen Generälen (“Putsch der Generäle”) in Algier, namentlich den Generälen Challe, Zeller, Salan und Jouhaud, welche den französischen Präsidenten de Gaulle entmachten und Algerien für Frankreich und die in Algerien lebenden “Pieds noirs” (Algerien-Franzosen) erhalten wollten. Von Seiten der Fremdenlegion war hauptsächlich das 1er Regiment Etranger de Parachutistes (1er R.E.P.) unter seinem damaligen stellv. Kommandeur Commandant (Major) Hélie Denoix de Saint Marc beteiligt, was dazu ausersehen war mit dem Fallschirm über Paris abzuspringen und Präsident de Gaulle zu verhaften. Auch Teile anderer Legionsregimenter, z.B. des 5e R.E.I., standen bereit, kamen jedoch nicht mehr zum Einsatz. Denn die Putschvorbereitungen drangen sehr schnell nach Paris vor und die Regierung drohte an, jedes verdächtige Flugzeug abzuschiessen. Der Putsch war somit gescheitert, zumal sich die Bevölkerung Kontinental-Frankreichs merhheitlich hinter de Gaulle stellte, und die Loslösung Algeriens von Frankreich besiegelt. Die 4 Generäle wurden verhaftet und das 1er R.E.P. in der Folge aufgelöst. Als das Regiment aus seinem Quartier in Zeralda marschierte, stimmten die Legionäre und Unteroffiziere das Lied “Non, je ne regrette rien” (“Nein, ich bereue nichts”) von Edith Piaff aus dem Jahr 1960 an. Eine Aufnahme (.mp3) des Liedes, gesungen von den Offizieren des 1er R.E.P. während ihres Arrestes im Fort de Nogent, finden Sie am Schluss dieses Abschnitts. Die Generäle und auch Commandant de Saint Marc wurden zu langjährigen Haftstrafen verurteilt (teils zunächst zum Tode) wurden aber relativ schnell begnadigt. Commandant de Saint Marc sass 5 Jahre ab und wurde 1978 rehabilitiert. Gleichzeitig erhielt er den höchsten Verdienstorden Frankreichs, Legion d’honneur, in der Stufe Commandant (Stufe 3 von 5). 2011 erhielt er das “Grand croix de la Legion d’honneur” (Grosskreuz der Ehrenlegion, die höchste Stufe des Ordens). Nach seinem Tod im Jahr 2013 (im Alter von 92 Jahren) bekam er ein Staatsbegräbnis, woran alles teilnahm, was in der Fremdenlegion Rang und Namen hat(te). Gut informierten Kreisen zufolge wurden dabei etliche Terminkalender über den Haufen geworfen, um diesem Mann die letzte Ehre erweisen zu können.

Urlaubsschein (Permission) des ehemaligen Fremdenlegionärs Karl-Uwe K. aus Hamburg, der von 1959 bis 1964 im 2e R.E.P. diente. Der Urlaubsschein ist über 40 Tage ausgestellt. Es handelt sich um den Resturlaub vor der Versetzung in die “Entlassungskompanie” (Companie Passage 2 – C.P. 2) nach Sidi Bel Abbes, von wo die Legionäre nach ihrem Vertragsende per Zug und Schiff über Oran zurück nach Marseille transportiert wurden. © lalegion.info (mit herzlichem Dank an die Witwe von Karl-Uwe K.)

1962 kam es zu den “Verträgen von Evian” in denen ein Waffenstillstand und die Entlassung Algeriens in die Unabhängigkeit zwischen Frankreich und der FLN vereinbart wurde. Die Entlassung Algeriens in die Unabhängigkeit war ein einschneidendes Ereignis für die gesamte Fremdenlegion, welche seit ihrer Gründung im Jahre 1831 und somit seit über 130 Jahren ununterbrochen in Nordafrika beheimatet und somit präsent war. In der Gründungsurkunde von Louis-Philippe, König der Franzosen, war ausdrücklich festgeschrieben, dass die Legion nur ausserhalb des europäischen Mutterlandes fest installiert werden kann. Dieser Passus war noch immer gültig und musste geändert werden, was auch, wollte Frankreich nicht auf die Dienste dieser schlagkräftigen Truppe verzichten, geschah. Das neue Hauptquartier entstand in Aubagne bei Marseille, wo es sich heute noch befindet.

1962 wurde das Ehrenmal für die Gefallenen der Fremdenlegion von Sidi-Bel-Abbès nach Aubagne in Südfrankreich gebracht um es dort neu aufzubauen. Die Legion versucht, nach der Episode in Algerien in Frankreich neue Wurzeln zu finden und sich eine neue Heimat zu schaffen. Die letzten französischen Streitkräfte, darunter das 2e R.E.P. der Fremdenlegion verliessen Algerien (die Marinebasis in Mers el Kebir) im Jahr 1967.

Non, je ne regrette rien – Officiers du 1er R.E.P.

Nach Algerien …

Nach dem Abzug aus Algerien wurde die Mannschaftsstärke Fremdenlegion mangels Bedarf auf regelmäßig unter 10.000 Mann reduziert. Überseestandorte von Regimentern wurden aufgelöst oder signifikant verkleinert. So wurde das 5. R.E.I. zunächst als 5e R.M.P. (5e Regiment Mixté du Pacifique) nach Papeete auf Thaiti in Französisch-Polynesien verlegt (1963) und unterhielt mehrere Aussenposten in der Region . Am 02.07.1984 wurde es in 5e R.E. (5e Regiment Etranger) umbenannt. Hauptaufgabe des Regiments waren Pioniertätigkeiten, sowie der Schutz der französischen Atomtests auf dem Muroroa-Atoll. 1995 startete Frankreich eine letzte Testserie auf dem Atoll und stellte seine dortigen Atomtests, auch aufgrund internationalen Drucks, anschliessend ein. Im Jahr 2000 wurde das 5e R.E. mangels weiteren Bedarfs aufgelöst und die verbliebenen Legionäre auf andere Regimenter verteilt.

Das D.L.E.C. (Détachement de Légion étrangère de Comores) auf der Inselgruppe der Komoren wurde nach der Unabhängigkeitserklärung der Komoren (mit Ausnahme der Insel Mayotte, die französisches Überseegebiet -Collectivité départementale- blieb) verkleinert unter unter seinem heutigen Namen D.L.E.M. in Dzaoudzi auf der Insel Mayotte stationiert. Seit 2011 hat Mayotte den Status eines Departement d’outre mer (Überseedepartement) und ist damit Teil des französischen Mutterlandes und auch der EU.

Die 13e D.B.L.E. war die einzige Einheit die nach dem Abzug aus Algerien dauerhaft auf dem afrikanischen Kontinent verblieb. Sie wurde in Französisch-Somaliland stationiert, der heutigen République de Djibouti, welche seit 1977 von Frankreich unabhängig ist. 2011 wurde das Regiment dort abgezogen und stark verkleinert in Abu Dhabi in den Vereinigten Arabischen Emiraten wiederum als Regiment Mixté (aus Legionären und “regulärem Heer” bestehend) neu installiert. Bereits 2015 wurde die Rückverlegung des Regiments, das zum Schluss nur noch über eine Mannschaftsstärke von 80 Mann fest in Abu Dhabi stationiertem Personal verfügte, davon 40 Legionäre, ins französische Mutterland beschlossen. Dort, im “Camp du Larzac” bei La Cavalerie übernahm es die Kaserne des 122e Regiment d’Infanterie und wurde wieder auf ein vollwertiges Kampfregiment mit einer Stärke von knapp 1.300 Mann aufgestockt, welches nunmehr ausschliesslich aus Legionären besteht.

Mit dem Abzug der 13e D.B.L.E. ist zum ersten Mal seit mehr als 180 Jahren die Situation entstanden, dass kein Regiment der Fremdenlegion mehr im “Ausland” (aus französischer Sicht) stationiert ist. Bei den Standorten der letzten beiden verbliebenen Überseeregimentern, dem 3e R.E.I. in Französisch-Guyana und dem D.L.E.M. auf Mayotte handelt es sich um Departements d’outre mer (Überseedepartements) die Teil des französischen Mutterlandes sind und damit auch der EU. Das Bild links zeigt den Abzug der 13e D.B.L.E. aus Djibouti


Golfkrieg 1990/91

Der letzte große Kriegseinsatz an dem Einheiten der Fremdenlegion regimentsübergreifend in einer Mannschaftsstärke von mehr als 1.000 Mann beteiligt war, war der 2. Golfkrieg (1990/91) als Einheiten von 3 Legionsregimentern zur von der 6e B.L.B. (seinerzeit 6e D.L.B.) gestellten “Division Daguet” gehörten, namentlich Einheiten des 1er R.E.C., des 2e R.E.I. und des 6e R.E.G. (heute 1er R.E.G.), ergänzt um das “Commando de recherche et d’action en profondeur” (C.R.A.P. – heute: G.C.P.)  des 2e R.E.P. Nachfolgende Konflikte, an denen die Fremdenlegion maßgeblich beteiligt war, wie etwa die Missionen in Afghanistan (Operation Enduring Freedom) oder Mali (Operation Serval / Barkhane) gelten nach französischer Definition nicht als Kriegseinsatz, sondern als “Anti-Terror-Missionen”

Bilder: © Ministére des Armées/Armée de Terre


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