Geiselbefreiung in Loyada 1976

Schauplatz des Einsatzes


Anfang Februar 2016 war der 40. Jahrestag einer allgemein nicht so bekannten erfolgreichen Aktion, die u.a. von Elementen des 2° R.E.P. und der 13° D.B.L.E. am 03. und 04. Februar 1976 durchgeführt wurde. Schauplatz war das ehem. „Französisch Somaliland“ (heute „République de Djibouti“), das seinerzeit zwischen 1967 und 1977 den Namen „Territoire français des Afars et des Issas“ (TFAI) führte (im Folgenden der Einfachheit halber „Djibouti“ genannt), den Status eines „Territoire français d’outre-mer“ innehatte und dessen Hauptstadt Djibouti-Stadt war.

Es handelte sich um die Befreiung von 31 entführten Schulkindern aus den Famillien von in Djibouti lebenden und arbeitenden Angestellten/Soldaten der französischen Luftwaffenbasis 188, die am „Djibouti Ambouli International Airport“ implementiert war, sowie deren Busfahrer und einer Begleiterin. Die Aktion führte ebenfalls zu einem „petit Scharmützel“ zwischen französischen und somalischen Truppen an der Grenze Djibouti/Somalia.

03.02.1976

Die Kinder waren am Morgen des 03.02.76 in einem Schulbus unterwegs nach Djibouti-Stadt, als der Bus von 4 bewaffneten Rebellen der „Front de Libération de la Côte des Somalis“ (FLCS) entführt wurde und der Fahrer gezwungen wurde, die ca. 18 Km süd-östlich der Hauptstadt gelegene Stadt Loyada anzufahren, wo sich auch der einzige offizielle Grenzübergang von Djibouti zu Somalia befand. Ferner gab es dort einen Außenposten der franz. Streitkräfte, welcher von Elementen der 13° D.B.L.E. besetzt war.

Der Busfahrer wurde gezwungen den Bus im „Niemandsland“ zwischen französischem und somalischem Hoheitsgebiet zu parken, etwa 100m vom somalischen Grenzposten entfernt.

Die Entführer stellten folgende Forderungen:

1. Freilassung aller inhaftierten Angehörigen der FLCS

2. Aufgabe der franz. Herrschaft über das „Territoire français des Afars et des Issas“

Für den Fall, dass die Franzosen diesen Bedingungen nicht nachkommen, wurde die Tötung aller Kinder angedroht.

Frankreich reagierte wie folgt:

– sämtliche im Land befindlichen Einheiten der Fremdenlegion wurden in Alarmzustand versetzt.
– in France metropolitaine wurde eine Gruppe Scharfschützen der GIGN alarmiert

Die gerade im Rahmen einer tournante (MCD) in Djibouti befindliche 2. Kompanie des 2eme R.E.P. verlegte nach Loyada. Kommandiert wurde die Kompanie vom späteren 4 Sterne General (General de Corps d’Armee) und damaligem Capitaine André SOUBIROU

Scharfschützen des R.E.P. sowie der 1. Kompanie der 13. D.B.L.E. bezogen Stellung in einem Posten der GNA (eine aus Franzosen und lokalen Freiwilligen bestehende Polizeieinheit Djiboutis), der etwa 250m westlich des Busses platziert war. Die Masse der 2./2. R.E.P. bezog Stellung in einem Palmenhain links davon. Dort wurde ebenfalls das Misssions-Hauptquartier eingerichtet. Den Oberbefehl über die Mission übernahm General Pierre BRASART, damaliger Oberbefehlshaber der franz. Streitkräfte in Djibouti. Zu den Einheiten stiess noch ein Zug französischer „motorisierter Gendamerie“ (eine franz. Militäreinheit mit Polizeiaufgaben) unter dem Kommando von ADJ VIARD, der einige hundert Meter vom Bus entfernt in Stellung ging. In diese Stellung rückte am Nachmittag des 03.02. noch das Escadron de Reconnaissance (ER) der 13. D.B.L.E nach. 

Auf somalischer Seite marschierten somalische Armee-Einheiten entlang der Grenze auf.

Am Abend des 03.02. wurde das G.O.L.E. (Groupement opérationnel de la Légion étrangère), seinerzeit als Teil des 2. R.E. auf Corsica stationiert, alarmiert und erhielt den Befehl nach Djibouti zu verlegen, bzw. „ready to take off – Status“ herzustellen.

04.02.1976

Am Morgen des 04.02. um 06:00 Uhr traf die alarmierte GIGN Einheit aus Frankreich, bestehend aus 8 Scharfschützen und ihrem Chef de Groupe, in Loyada ein und ging vor dem Palmenhain in Stellung.

Der Bus parkte nach wie vor an der selben Stelle. Zu den 4 Entführern waren zwischenzeitlich 3 weitere FLCS-Rebellen von somalischer Seite aus gestoßen.

Um 12:00 Uhr Mittags meldete das G.O.L.E. auf Corsica „ready to take-off“ Richtung Loyada und wartete auf den Start-Befehl

Um 15:45 Uhr erging in Loyada der Befehl, die Kinder zu befreien.

Die GIGN-Scharfschützen nahmen die Entführer unter koordiniertes Feuer.

Als Reaktion eröffneten somalische MG-Nester das Feuer auf die Franzosen.

Als Reaktion wiederum darauf startete die 2./2. R.E.P. einen Frontalangriff auf die Somalier und ging unter deren Feuer vor. 

Die Schützenpanzer des Escadrons der 13e D.B.L.E. zogen vor, um die somalischen MG-Nester zu eleminieren.

2 Gruppen der 1. Section der 2./2. R.E.P. (unter LTN DOUCET) rückten kämpfend Richtung somalische Grenze vor, 1 Gruppe Richtung Bus.

Die AML’s des Escadrons hatten mittlerweile die somalischen MG-Nester ausgeschaltet.

Um 16:05 war die Aktion beendet.

Resultat der Mission:

Alle 7 FLCS-Rebellen tot.

1 somalischer Soldat tot (offiziell) – nach späteren Angaben 6 tote somalische Soldaten.

1 entführtes Mädchen (Natalie Durand, 5 Jahre alt) hat nicht überlebt

5 weitere Kinder wurden verwundet (2 davon schwer)

Der Busfahrer und die Begleiterin wurden ebenfalls verwundet.

Der Chef de Section der 1. Section der 2./2. R.E.P. -LTN DOUCET- wurde ebenfalls verwundet und nach Frankreich ausgeflogen (oberes Bild).

1 Kind (Frank Rutkowski, 7 Jahre alt, Sohn eines Luftwaffen-Mechanikers) wurde über die Grenze nach Somalia entführt, jedoch einige Tage später wieder freigelassen

Eines der 2 schwerverwundeten Kinder, Valerie GEISSBUHLER, die Enkelin eines deutschen ehem. Legionärs wurde nach Paris ausgeflogen, wo sie einige Tage später ihren Verletzungen erlag. Sie wurde am 13. Februar in Aubagne beigesetzt.

Alle anderen Kinder wurden am 06. Februar nach Paris ausgeflogen.


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