Aktuell

Was genau ist die Fremdenlegion eigentlich …?

Die französische Fremdenlegion ist ein aktuell etwa 9.000 Mann starker Kampfverband des französischen Heeres (Armee de terre), mit Hauptsitz im südfranzösischen Aubagne (bei Marseille), dessen Offizierskorps zu 90% aus „Naturalfranzosen“ besteht und zu 10% aus ehem. Ausländern, die sich über die Mannschafts- und Unteroffiziersdienstgrade bis zum Offizier hochgedient haben, nachdem sie eine französische Offiziersschule besucht und die französische Staatsangehörigkeit angenommen haben. Hinzu kommen etwa 1.500 Zivilangestellte und Reservisteneinheiten, die nur zu Übungszwecken einberufen oder bei Bedarf aktiviert werden. Nach zwischenzeitlicher, durch Sparmaßnahmen bedingte Reduzierung der Mannschaftsstärke in 2011 bis 2013 auf nur noch 6.700 Mann wurde aufgrund der sich verändernden weltpolitischen Bedrohungslage durch den internationalen Terrorismus eine 2015 beginnende stufenweise Wiederaufstockung auf rd. 10.000 Mann beschlossen, die Ende 2018 offiziell abgeschlossen war. Die Mannschaften und Unteroffiziere der Fremdenlegion sind zum ganz überwiegenden Teil ( > 90%) Ausländer aus mehr als 140 Nationen, die sich per Vertrag für die Dauer von mindestens 5 Jahren zum Dienst bei der Fremdenlegion verpflichten, nachdem sie das Bewerbungsverfahren erfolgreich durchlaufen haben. Nach diesen ersten 5 Jahren sind fortlaufende Vertragsverlängerungen zwischen jeweils 6 Monaten und 3 Jahren möglich. Ein Legionär im Mannschaftsdienstgrad kann theoretisch bis auf 37 Dienstjahre kommen (Eintrittsalter 18 Jahre, Austritt spätestens mit 55 Jahren).

Neben dem Hauptquartier der Legion in Aubagne, wo neben dem COM.LE auch das 1er RE stationiert ist, befinden sich auch die Kasernen der übrigen in Frankreich stationierten Regimenter im Süden des Landes, sowie auf der Insel Korsika.

Woher kommen die Fremdenlegionäre … ?

Die Herkunft der Ausländer die in der Fremdenlegion Dienst tun ist und war schon immer Spiegelbild der weltpolitischen sowie der wirtschaftlichen Lage in den Herkunftsländern. Nach dem 2. Weltkrieg bis Mitte der 1950er Jahre bestanden die Mannschaften und das Unteroffizierskorps zu bis zu 2/3 aus Deutschen, die nach 1945 den Kriegsfolgen in Deutschland entkommen wollten. Viele dieser Bewerber hatten bereits in der Wehrmacht oder auch der Waffen-SS gekämpft und keinen anderen Beruf als den des Soldaten erlernt. Frankreich kamen diese Bewerber sehr gelegen, brauchte es doch Truppen für seinen Kolonialkrieg in Indochina. Diese “Epoche der Deutschen” dauerte etwa bis zum Ende des Algerienkrieges (Waffenstillstand 1962), bzw. dem Abzug der Fremdenlegion aus Nordafrika an. Weitere Nationalitäten, die die Fremdenlegion zu dieser Zeit ausmachten waren hauptsächlich Italiener, Ungarn, Tschechoslowaken, Spanier, Jugoslawen…

Mitte der 1980er Jahre zog es noch einmal überdurchschnittlich viele Deutsche zur Fremdenlegion, deren Zahl seit Ende des Algerienkonfliktes wie gesagt extrem zurückgegangen war. Grund dafür war zum einen das damals (wieder) relativ neue Phänomen der hohen Jugendarbeitslosigkeit, wodurch junge Männer, die nach der Schule oder Berufsausbildung ihren Wehrdienst im Rahmen der Wehrpflicht bei der Bundeswehr abgeleistet hatten, oftmals mehr oder weniger auf der Straße standen. Wenn man mit Legionären aus dieser Zeit spricht, hört man oft die selbe oder eine ähnliche Geschichte: Sie hatten bei der Bundeswehr von der “sagenumwobenen” Fremdenlegion gehört und die Abenteuerlust hatte sie gepackt, dazu kam oftmals die gefühlte Berufung als Soldat zu dienen, die sie jedoch in der gewünschten Form bei der damaligen Bundeswehr nicht fanden, da diese sich zu der Zeit -wenn überhaupt- nur mit Sanitäts- und Pioniereinheiten an humanitären Auslandseinsätzen beteiligte. Ende der 1980er/Anfang der 1990er Jahre war die Zeit der Legionäre aus den ehem. Warschauer Pakt Staaten gekommen, wozu wiederum viele Deutsche aus der ehem. NVA der DDR gehörten, sowie auch viele Polen, Ukrainer, Russen, Jugoslawen und Rumänen.

Die Rumänen und Ukrainer machen auch heute noch eine erhebliche Anzahl der Soldaten der Fremdenlegion aus. Ebenso wie junge Männer aus Moldawien (Republik Moldau), deren Anteil dafür, dass das Land nur 3,5 Mio. Einwohner hat, relativ hoch ist. Im Übrigen zieht es viele Asiaten (v.a. Chinesen und Nepalesen) und Südamerikaner (v.a. Brasilianer) in die Legion von heute, während die Deutschen nur noch einen Anteil von 1 bis 2 % ausmachen.

Bewerben können sich bei der Fremdenlegion Männer zwischen 17,5 und 39,5 Jahren, welche die gesundheitlichen und sportlichen Anforderungen erfüllen und nicht oder allenfalls unerheblich vorbestraft sind. Weitere Voraussetzungen (Schul- oder Berufsabschluss, franz. Sprachkenntnisse, militärische Vorausbildung usw.) sind ausdrücklich nicht notwendig. Näheres entnehmen Sie bitte der Rubrik Rekrutierung

Wie ist die Fremdenlegion strukturiert … ?

Die Fremdenlegion besteht aktuell aus 11 Regimentern plus dem Oberkommando (COM.LE – Commandement de la Legion Etrangere). Die Bezeichnung „Regiment“ ist bei der Legion historisch zu verstehen, nicht auf die Mannschaftsstärke bezogen. Es gibt „Regimenter“ die gerade einmal aus 2  Kompanien bestehen (wie das D.L.E.M. auf Mayotte mit insg. 269 Mann) als auch Regimenter, die auch mannschaftsmäßig Regimentsstärke haben (wie das 2e R.E.P., das 2e R.E.I. oder die 13e D.B.L.E. – mit jeweils um 1.300 Mann)

Die Fremdenlegion ist heute komplett in die Strukturen des französischen Heeres eingebunden, wenngleich nicht homogen als Ganzes, sondern regimentsweise auf Brigadeebene. Es ergibt sich folgende Struktur (siehe auch Grafik weiter unten):

Das Oberkommando der Fremdenlegion (COM.LE) rangiert auf Divisionskommandoebene und ist über den MGAT (Le major général de l’Armée de terre) direkt dem Stabschef des Heeres  – CEMAT (Le chef d’état-major de l’Armée de terre) unterstellt. Dem Chef des COM.LE., also dem Oberkommandierenden der Fremdenlegion (in der Regel ein 2- oder 3-Sterne-General, also ein Brigadegeneral oder Generalmajor) welcher COMLE (im Gegensatz zum COM.LE ohne Punkt zwischen M und L geschrieben) genannt wird (Commandant de la Legion Etrangere) sind 3 Regimenter der Fremdenlegion direkt unterstellt. Es handelt sich dabei um die 3 „nicht kämpfenden“ Regimenter 1er Regiment Etranger – 1er R.E. (1. Fremdenregiment) welches vereinfacht gesagt für die „Verwaltung” der Fremdenlegion zuständig ist, das Groupement Recrutement de la Legion Etrangere – G.R.L.E. (Rekrutierungsabteilung), welches für die Nachwuchsgewinnung verantwortlich ist, sowie das 4e Regiment Etranger – 4e R.E. (4. Fremdenregiment), welches als exclusive Aufgabe die Aus- und Weiterbildung der Legionäre übernimmt. Details zu den Aufgaben der einzelnen Regimenter finden Sie auf der jeweiligen Regimentsseite unter dem Menüpunkt „Regimenter“.

Die beiden dauerhaft in Übersee stationierten Regimenter, das 3e Regiment Etrangere d’Infanterie – 3e R.E.I. (3. Infanterieregiment) in Französisch-Guyana und das Detachement de Legion Etrangere a Mayotte – D.L.E.M. (Abteilung der Fremdenlegion auf Mayotte) unterstehen dem Etat-Major spécialisé pour l’outre-mer et l’étranger – EMSOME, zu Deutsch etwa Spezial-Stab der Übersee- und Auslandsstreitkräfte. Dabei ist das 3e R.E.I. Teil der Forces Armées en Guyane – FAG (französische Streitkräfte in Guyana) und das D.L.E.M. der Forces Armées de la zone sud de l’océan Indien – FAZSOI (französische Streitkräfte im südlichen Indischen Ozean).

Die übrigen Regimenter der Fremdenlegion, dabei handelt es sich um die „eigentlichen“ Kampfeinheiten der Legion, sind in 3 verschiedene Brigaden des Heeres eingebettet:

Das 2e Regiment Etranger de Genie – 2e R.E.G. (2. Gebirgspionierregiment) untersteht der 27e Brigade d’Infanterie de Montagne – 27e B.I.M. (27. Gebirgsinfanteriebrigade) und diese wiederum der 1. Heeresdivision.

Das 2e Regiment Etranger de Parachutistes – 2e R.E.P. (2. Fallschirmjägerregiment) untersteht der 11e Brigade Parachutiste – 11e B.P. (11. Luftlandebrigade) und diese wiederum der 3. Heeresdivision.

Ebenfalls zur 3. Heeresdivision gehört die 6e Brigade légère blindée – 6e B.L.B. (6. leichtgepanzerte Brigade), welche aus 7 Kampfregimentern und 1 Stabs- und Fernmeldekompanie besteht. Mit 4 Regimentern der Fremdenlegion hat die Brigade den größten „Legionsanteil“ aller Brigaden in ihren Reihen. Es handelt sich um das 1er Regiment Etranger de Cavalerie – 1er R.E.C. (1. Kavallerieregiment), das 1er Regiment Etranger de Genie – 1er R.E.G. (1. Sturmpionierregiment), das 2e Regiment Etranger de Infanterie – 2e R.E.I. (2. Infanterieregiment) sowie die 13e Demi Brigade de Legion Etrangere – 13e D.B.L.E. (13 Halbbrigade der Fremdenlegion). Diese Brigade war es auch, die im 2. Golfkrieg (1990/91) im Rahmen der “Division Daguet” fast den gesamten französischen Truppenanteil innerhalb der Koalitionsstreitkräfte stellte.

Weiterführende Informationen zu den einzelnen Regimentern finden Sie auf der jeweiligen Regimentsseite unter dem Menüpunkt „Regimenter“.

Die Regimenter der Fremdenlegion (rot) innerhalb der französischen Heeresstruktur

Welche Aufgaben hat die Fremdenlegion heute…?

Wichtigstes Merkmal der Fremdenlegion, insbesondere ihrer in Frankreich stationierten Kampfregimenter (1er REC, 1er REG, 2e REG, 2e REP, 2e REI, 13e DBLE) ist heute ihre sofortige Einsatzbereitschaft. Die Angehörigen der Kampfkompanien dieser Regimenter trainieren nahezu pausenlos auf den “scharfen Einsatz” hin. Keine anderen “Nicht-Spezial-Einheiten” der franz. Armee sind derart oft auf den französischen Truppenübungsplätzen der Armee, wie dem Camp de Garrigues oder Camp du Larzac (taktische Infanterieausbildung), dem Centre d’entraînement au tir interarmes (CETIA), ehem. CEITO, im Camp de Canjuers, dem CNEC (Centre national d’entraînement commando) in Mont Louis, dem CENZUB (Centre d’entrainement en zone urbaine)  dem Ortskampftrainingszentrum in Sissonne oder dem CENTAC (Centre d’entraînement au combat) in Mailly le camp, um nur einige zu nennen, zu finden. Trainingszentren in Übersee, wie das CEFE, die berühmte Dschungelkampfschule der Legion in Französisch-Guyana oder das CECAD (Centre d’entraînement au combat et d’aguerrissement de Djibouti), die Wüstenkampfschule in Dschibuti kommen noch hinzu. Auch auf Übungsplätzen befreundeter Armeen, wie dem Orts- und Häuserkampfzentrum der Bundeswehr in Hammelburg (“Bonnland”) sind Legionseinheiten regelmäßig zu Gast.

Videoclip CENTAC (4e Regiment Etranger)

Auch an multinationalen Übungen beteiligt sich die Fremdenlegion regelmäßig (z.B. “Bold Aligator” in den USA) oder führt diese selber durch, wie die Fallschirmjäger-Übung “Colibri” beim 2e R.E.P. auf Korsika. Ebenso stellt sie seit 2017 Truppen für das multinationale NATO-Battalion in Estland (“Operation LYNX”), aktuell (Juli 2019) sind Einheiten des 2e R.E.I. und des 1er R.E.G. dort im Einsatz.

Die Bilder oberhalb zeigen Legionäre bei der Operation LYNX (NATO Battailon Estland)


Auslandseinsätze – Opérations Extérieures

Die einzelnen Kampfregimenter der Legion stellen regelmäßig sog. “Guepard-Alarmkompanien”. Beim System “Alerte Guepard” handelt es sich um schnelle Eingreifkräfte, welche in der Regel auf Brigadeebene von Kompanien der einzelnen Regimenter gestellt werden. So sind oft 1 oder 2 Kompanien (also ca. 250 Legionäre) des 2e R.E.P. als “Compagnie Guepard” vorgesehen, wenn die 11e Brigade Parachutiste für die Stellung der Guepard-Einheiten zuständig ist. Von den insg. dann rd. 700 Mann der Guepard-Einheiten muss die Hälfte binnen 12 Stunden einsatzbereit sein, die zweite Hälfte -spätestens- nach 48 Stunden. Ebenfalls stellt das 2e R.E.P. regelmäßig eine der beiden Fallschirmjäger-Alarmkompanien, die im Camp de Gaulle in Libreville (Gabun) stationiert sind und von dort aus binnen kürzester Zeit in ganz Afrika eingesetzt werden können.

Neben der Teilnahme an sog. “scharfen Auslandseinsätzen” (Operations Exterieurs – OPEX) im Rahmen gemischter Kampfkontingente, sog. G.T.I.A.’s (Groupement tactique Interarmes) z.B. in Afghanistan oder aktuell in Mali, bzw. der Sahelzone besteht die Aufgabe der Fremdenlegion darin sog. “Präsenzmissionen” in Frankreichs ehemaligen Kolonien in Afrika durchzuführen. Diese Aufgabe nimmt die Legion bereits seit Jahrzehnten war, denn Afrika ist “ihr Kontinent”. So werden aufgrund bilateraler Militärabkommen mit den einzelnen Staaten Kontingente von 1 bis 2, oder -seltener- 3 Kompanien der Kampfregimenter in Länder wie den Senegal, die Elfenbeinküste (Operation Licorne/Einhorn), den Tschad (Operation Epervier/Sperber), die Zentralafrikanische Republik (Operation Boali), sowie weitere Staaten hauptsächlich Westafrikas entsendet, um dort an der Aufrechterhaltung (oder Wiederherstellung) der öffentlichen Ordnung mitzuwirken. Diese Missionen dauern für die jeweiligen Einheiten in der Regel 3 bis 4 Monate, in seltenen Fällen bis zu 6 Monate, bis sie von anderen Einheiten abgelöst werden. In der Elfenbeinküse (Cote d’Ivoire) beispielsweise besteht die Aufgabe der französischen Truppen darin, eine Pufferzone zwischen dem Süden des Landes und dem von Rebellen kontrollierten Norden zu bilden. Seit 2002 läuft dieser Einsatz unter dem Namen “Licorne” (Einhorn)

Im Jahr 2011 waren Einheiten der Legion (u.a. des 2e REP und des 2e REI) maßgeblich bei der Befriedung des Bürgerkriegs in der Elfenbeinküste (Cote d’Ivoire) beteiligt, als französische Truppen dem Sieger der vorausgegangenen Präsidentenwahlen Alassane Ouattara halfen, seinen Gegenspieler und Wahlverlierer, den bisherigen Präsidenten Laurent Gbagbo kaltzustellen. Hierbei kam es in Abidjan zu teils heftigen Gefechten zwischen Anhängern von Ouattara, zu ihm übergelaufenen Einheiten des ivorischen Militärs und französischen Einheiten einerseits und Gbagbo-getreuen Militäreinheiten andererseits.

Eine weitere Aufgabe der Legionseinheiten ist die Verstärkung französischer Militärbasen in franz. Überseegebieten (z.B. Franz.-Guyana, Mayotte, Neu-Kaledonien) oder im Ausland befindlicher Basen, die aufgrund bilateraler Abkommen mit den jeweiligen Staaten existieren (z.B. Gabun, Senegal, Dschibuti). Auch an Ausbildungsmissionen im NATO-Rahmen beteiligen sich die verschiedensten Einheiten der Fremdenlegion, z.B. für die irakische, afghanische oder im Rahmen von EUTM für die malische Armee. Ebenso natürlich an Missionen unter UN-Mandat z.B. Mali/MINUSMA, Elfenbeinküste/UNOCI, Bosnien/UNMIBH, Kosovo/UNMIK, Libanon/UNIFIL und vielen anderen.

Inlands-Mission “Sentinelle”

Seit einigen Jahren werden Einheiten der Fremdenlegion, meist auf Kompanie-Ebene, auch innerhalb Frankreichs eingesetzt, was früher undenkbar war. Heute nehmen jedoch auch ganz selbstverständlich Einheiten der Legion an dem Anti-Terror Einsatz “Sentinelle” (Wächter) teil, wo ihre Aufgabe darin besteht, Flughäfen, Bahnhöfe, Weihnachtsmärkte und touristische Sehenswürdigkeiten (Eiffelturm, Arc de Triumphe, Champs Elysees, Louvre usw.) zu bewachen. Schon mehr als einmal wurden Terroranschläge durch Legionäre verhindert, im Keim erstickt oder “beendet”.


Kasernenalltag

Personen die nur oberflächliche Informationen über die Fremdenlegion haben, ihr Wissen etwa ausschließlich aus “reißerischen YouTube-Videos” beziehen, stellen sich die Legion oftmals als “Kampfmaschine” vor, die von einem Kampfeinsatz in den anderen zieht. Dies ist natürlich nicht der Fall. Aktuell besteht die Fremdenlegion aus insgesamt 36 reinen Kampfkompanien, also ohne Stabs-, Verwaltungs-, Logistik-, Versorgungs-, Ausbildungs- Reserve- und Instandhaltungseinheiten. Davon sind, wenn es nicht zeitgleich mehr als 1 kriegerischen Konflikt gibt an dem Frankreich beteiligt ist, maximal 25 bis 30% gleichzeitig in einem Einsatz irgendeiner Art (z.B. Kampfeinsatz in Mali, Dschungelaufklärung in Französisch-Guyana, Präsenzmissionen in afrikanischen Staaten, Mission Sentinelle). Das heißt, neben den o.g. Nicht-Kampfeinheiten schieben bis zu 75% der Kampfeinheiten Kasernendienst. Dieser ist bei den Kampfeinheiten gekennzeichnet durch Sport und stetiges Training für den “scharfen Einsatz”, entweder im Garnisionsbereich oder auf einem der zahlreichen Truppenübungsplätze in Frankreich. Da die Legionäre mehrheitlich in ihren Kasernen wohnen (mit Ausnahme von Urlaub auch am Wochenende, denn Heimfahrten an freien Wochenenden -soweit genehmigt- lohnen sich allenfalls für Legionäre, deren Angehörige in Frankreich leben), kann dieser Umstand auch durchaus mal zum sog. “Lagerkoller” führen, zumal die Mannschaftsdiensgrade (mit teilw. Ausnahmen bei den Caporaux-Chefs) gemeinsam auf Stuben wohnen, die mit min. 5 Mann (1 Trupp) belegt sind, im Extremfall auch mal mit 10 Mann (1 Gruppe = 2 Trupps). Jeder mag sich einmal an seine Aufenthalte in Jugendherbergen oder Schullandheimen erinnern und sich vorstellen, dass diese Unterbringungssituation nicht für 1, 2 oder 3 Wochen andauert, sondern mindestens für 5 Jahre. Dazu kommt zumindest am Anfang die Sprachbarriere, da die Stubenbelegungen natürlich multi-national sind. Viele neue Bewerber unterschätzen dies, bzw. gehen fälschlicherweise davon aus, dass nach der Grundausbildung ähnliche Verhältnisse herrschen wie z.B. bei der Bundeswehr, mit regelmäßigen Heimfahren am Wochenende, Ausgang nach Dienstschluss usw.


Mythos und Wahrheit

Zu diesem Thema einige Worte vorab in eigener Sache… Unser Bestreben ist es, die Fremdenlegion so darzustellen wie sie ist. Dazu gehört auch, unbequeme Dinge anzusprechen – es ist nicht unsere Absicht, die Fremdenlegion über Gebühr zu glorifizieren. Dennoch gilt es auch mit einigen “Stammtisch-Parolen” aufzuräumen, die nie der Wahrheit entsprachen, oder wo Dinge maßlos übertrieben wurden, die sich aber seit Jahrzehnten, vor allem im deutschsprachigen Raum, hartnäckig halten.

1.) Wurden Deutsche entführt oder von “bezahlten Werbern” betrunken gemacht, um Ihnen eine Vertragsunterschrift unterzujubeln oder wurden sie gar zur Fremdenlegion “gepresst”?
Nein! Der allseits anerkannte Historiker und Legionsexperte Eckhard Michels ist bei seinen Recherchen auf keine Fälle von Entführungen oder bezahlten Werbern gestoßen. Richtig ist, dass direkt nach Ende des 2. Weltkriegs gefangenen deutschen Soldaten in der französischen Besatzungszone angeboten wurde, in der Legion zu engagieren, um der Kriegsgefangenschaft zu entgehen. Sicherlich gab es dort auch Fälle, in denen durch die Rekrutierungsoffiziere einerseits die Gefahr des Dienstes in der Fremdenlegion heruntergespielt wurde (statt z.B. einem bevorstehenden Einsatz im Indochina-Krieg wurde “gefahrloses Wacheschieben unter Palmen” in Nordafrika schmackhaft gemacht) und andererseits das “Schreckensbild” der Kriegsgefangenschaft (v.a. deren voraussichtliche Dauer) stark überzeichnet wurde, um so die Entscheidung der jungen Männer zu beeinflussen. Weiterhin gab es Fälle wo sich in den Städten, in denen sich in den 1950er Jahren die Sammelstellen für den Weitertransport zur Rekrutierungsstelle Strasbourg befanden (Offenburg, Landau/Pfalz) viele junge Männer aus ganz Deutschland, welche zur Legion wollten, trafen und vor dem Gang zur Sammelstelle noch einen “feucht-fröhlichen Abend” verbrachten. Wenn man sich dann genug “Mut angetrunken” hatte, ging man gemeinsam zur Sammelstelle und oft genug war der eine oder andere “Saufkumpan” am nächsten Morgen verschwunden. Dies führte vielfach zu der Annahme, dass es sich um Werber handelte, sich sich nach “getaner Arbeit” aus dem Staub gemacht haben. Die Wahrheit war in aller Regel jedoch, dass die Betreffenden entweder von der Legion direkt wieder vor die Tür gesetzt wurden, weil offensichtlich komplett ungeeignet für den Militärdienst, oder aber sie in letzter Minute “kalte Füße” bekommen haben.

Die Mär von “Entführung und Erpressung” gründet sich hauptsächlich auf die -erfundenen- Geschichten von Legionären, die nach ihrer Dienstzeit aus Indochina und Algerien zurückkehrten und für ihre Angehörigen eine Erklärung benötigten, warum sie seinerzeit bei “Nacht und Nebel” die Familie verlassen, oder die schwangere Freundin hatten sitzen lassen, um bei der Legion zu engagieren. Legionäre, die aus dem Osten Deutschlands stammten und auch dorthin, in den mittlerweile gegründeten Staat DDR, (zurück) wollten, waren (oder wurden teilweise von der Regierung der DDR) mehr oder weniger dazu gezwungen, sich entsprechende Geschichten auszudenken, wie sie zwangsweise zur Legion kamen. Denn der DDR-Regierung war es selbstverständlich ein Dorn im Auge, dass sich Bürger ihres Staates freiwillig bei einer Armee einer “imperialistischen Macht” verdingten, insbesondere wenn es sich dabei um die französische Fremdenlegion handelte. Kommunistische Agitatoren in Diensten der DDR, bzw. der SBZ (sowjetisch besetzte Zone) waren Ernst Busch (Schauspieler, Sänger diverser kommunistischer Kampflieder im spanischen Bürgerkrieg, dem 2. Weltkrieg und dem Indochinakrieg) und Winfried “Si Mustapha” Müller (Stalinist, Mitarbeiter des Geheimdienstes der FLN und Leiter des sog. “Rückführungsdienstes” der FLN in Algerien). Während Busch hauptsächlich durch seine Lieder und direkt an deutsche Fremdenlegionäre gerichtete und per Funk ausgestrahlte Aufrufe zum Überlaufen zur “Volksarmee Vietnams” bekannt wurde, war “Mustapha Müller” praktischer veranlagt. Durch Aufrufe, Handzettel usw. wurden in Algerien deutsche Legionäre zur Desertion (deutsch: Desertation) animiert, wobei ihnen versprochen wurde, dass sie in die Heimat, nach Deutschland, geschickt würden. Der Erfolg hielt sich jedoch in engen Grenzen (keinesfalls liefen ganze Züge oder Kompanien geschlossen über, oder gar Batallione, wie Müller behauptete). Dies lag auch daran, dass es eine relativ kleine Anzahl von Legionären war, die tatsächlich wohlbehalten nach Deutschland geschafft wurden. Andere Überläufer wurden ausgeraubt und mit durchgeschnittener Kehle in der Wüste gefunden, oder -wenn sie etwas mehr Glück hatten- von algerischen Bauern gefangen genommen und -gegen Prämie- wieder bei der Fremdenlegion abgeliefert.

2.) Wurde oder wird die Fremdenlegion als “Kanonenfutter” eingesetzt?
Nein! … jedenfalls nicht so, wie es vielfach dargestellt wird. Natürlich war die Fremdenlegion nahezu komplett bis 1954 in Indochina, sowie bis zum Waffenstillstand 1962 in Algerien eingesetzt, dies traf aber auch auf sehr viele andere französische Truppen zu, welche mit der Legion Seite an Seite kämpften. Durch den Einsatz der Legion in diesen Konflikten konnte Frankreich auf die Entsendung weiterer “einheimischer Truppen” verzichten. Wobei hinsichtlich Algerien noch anzumerken ist, dass das Land seit dem 19. Jahrhundert die “Heimat” der Fremdenlegion war. Es liegt in der Natur der Sache, dass man in einem Konflikt dort die Truppen einsetzt, die ohnehin vor Ort sind. Nach Algerien gab es keinen größeren Kriegs-Einsatz mehr, bei dem alleine die Legion ins Feld geschickt wurde. Das französische Boden-Kontingent z.B. im 2. Golfkrieg bestand etwa zu 50% aus Einheiten der Fremdenlegion, während der Rest vom “regulären” franz. Heer gestellt wurde. In Konflikten wie Afghanistan oder aktuell Mali setzt Frankreich sog. G.T.I.A.’s (Groupement tactique interarmes) ein, zu Deutsch etwa “gemischte Kampfgruppe”. Deren Anteil an Legionseinheiten macht in der Regel max. 20 bis 25% aus, teilweise auch weniger. Gut zu erkennen ist dies auch am Beispiel der Operation Serval (Mali). Als Frankreich dort im Januar 2013 intervenierte gehörten zu den in den ersten 4 Wochen eingesetzten Truppen (insgesamt 2.500 Mann) hauptsächlich Einheiten der Marineinfanterie (Troupes de Marine: RiMa und RPIMa – Einheiten) sowie Luftlandeeinheiten der “regulären” Armee. Legionsseitig war lediglich 1 Peloton (also weniger als 50 Mann mit 3 AMX 10 RC-R Radpanzern) eines Eskadrons des 1er R.E.C. beteiligt, welches zufällig gerade im Tschad operierte, sowie -ab Ende Januar- die (verstärkte) 2. Kompanie des 2e R.E.P., welche über Timbuktu absprang und den Flughafen einnahm. Damit machte der Anteil an Legionseinheiten etwa 10% der eingesetzten Truppen aus. Und dabei reden wir nur von Bodentruppen, also Marine (Marine nationale) und Luftwaffe (Armee de l’Air) nicht mitgerechnet.

Die (verstärkte) 2e Cie./2e R.E.P. nach dem Sprung auf Timbuktu Ende Januar 2013, © Legion Etrangere

Erst als Ende Mai 2013, also 4,5 Monate nach Beginn des Einsatzes, das von der 6e B.L.B. gestellte G.T.I.A. “Desert” nach Mali entsendet wurde, waren weitere Legionseinheiten in nennenswertem Umfang beteiligt, namentlich Einheiten des 1er R.E.C. (1 Eskadron mit AMX 10 RC-R), des 1er R.E.G. (Pioniere und Minenräumer), sowie des 2e R.E.I. (taktischer Führungsstab des G.T.I.A. und die 4e Compagnie de Combat mit VAB).

Der letzte größere Kampfeinsatz, den alleine Kampftruppen der Fremdenlegion durchführen, war die “Operation Bonité / Leopard” in Kolwezi (Zaire) 1978.


Unterschiede zur regulären französischen Armee … ?

Ja, die gibt es auch heute noch. Während die Fremdenlegion -wie weiter oben schon dargestellt- heute nicht mehr autark eingesetzt wird, sondern schon seit Jahrzehnten in die Strukturen des Heeres implementiert ist, und Legionäre den selben Sold bekommen, die selbe (wenn nicht bessere) Ausrüstung haben, sowie grds. die selben Rechte und Pflichten, gibt es bei den “Rechten” Ausnahmen. Legionäre sind verpflichtet innerhalb der ersten 5 Dienstjahre innerhalb ihrer Kaserne zu wohnen, d. h. auf einer Stube die sie sich mit mind. 4 weiteren Legionären (im Extremfall mit 9) teilen müssen. Der Unterhalt/die Anmietung einer eigenen Wohnung ist während dieser Zeit nicht gestattet. Eine Ausnahme hiervon besteht nur für Legionäre die innerhalb der ersten 5 Jahre zum Unteroffizier (Sergent) befördert werden, was aktuell aber in der Praxis sehr selten vorkommt, oder erst wenn die 5 Jahre ohnehin fast abgelaufen sind. Zweck dieser Regelung ist es, die größten Teile der jeweiligen Regimenter 24 Stunden an 365 Tagen im Jahr einsatzbereit zur Verfügung zu haben. Auch eine Heirat ist einem Legionär in den ersten 5 Jahren nicht gestattet, danach nur mit Erlaubnis der Legion. Will ein Legionär innerhalb der ersten 5 Jahre ein Kraftfahrzeug besitzen/erwerben, benötigt er dafür die Erlaubnis seines Kompaniechefs. Legionäre die noch unter “Anonymat” dienen, also nicht unter ihrem echten Namen, dürfen solange dies der Fall ist nur auf französischem Hoheitsgebiet Urlaub machen. Da Frankreich jedoch auf der ganzen Welt sog. “Überseedepartements” hat (z.B. Martinique, Reunion, Guadeloupe, Mayotte) sowie weitere “Überseegebiete” wie Französisch-Polynesinen (Thaiti, die Marquesas) oder auch den franz. Teil der Insel St. Martin/Sint Maarten in der Karibik, ist hier reichlich Auswahl vorhanden. Lediglich ein Urlaub in der “Heimat” lässt sich schwierig gestalten, bzw. ist erlaubterweise nicht möglich, solange man unter “Anonymat” steht. Für Legionäre die ihren Urlaub in der Nähe ihrer Garnision in Süd-Frankreich verbringen wollen, oder per Befehl müssen, unterhält die Fremdenlegion ein eigenes Ferienzentrum in Malmousque bei Marseille, das (C.)C.P.L.E.M. (Centre des convalecents et des permissionnaires de la Légion étrangère). Daneben gibt es noch eine Urlaubsherberge für Legionäre in La Ciotat (nahe der Cote d’Azur), das C.H.A.L.E. (Centre d’Hébergement et d’Accueil de la Légion Etrangère). Ferner verfügen Legionäre unter “Anonymat” lediglich über einen Militärdienstausweis (Carte d’Identité Militaire), keine sonstigen Personalpapiere. Dadurch ist es Ihnen z.B. nicht möglich ein Bankkonto bei einer beliebigen Bank zu eröffnen. Sie erhalten durch Vermittlung der Fremdenlegion jedoch ein Basis-Konto unter ihrem Anonymats-Namen bei der französischen Postbank (La Banque Postale) incl. Karte für den Bankautomaten zum Geld abheben. Auf dieses Konto wird auch ihr Sold überwiesen.

Centre des convalecents et des permissionnaires de la Légion étrangère in Malmousque

Vielfach wird auch über “brutale Ausbildungsmethoden” berichtet. Die Wahrheit liegt, soweit es die Legion “von heute” angeht -wie so oft- in der Mitte. Die Ausbildung bei der Fremdenlegion ist zweifellos härter, strapaziöser und umfangreicher als bei vielen anderen Einheiten des französischen Heeres. Aber dies ist kein Alleinstellungsmerkmal. Auch die Fallschirmjäger der “Troupes de Marine” (franz. Fallschirm-Marineinfanterie, abgekürzt: RPIMa, zum Heer gehörig) erhalten eine vergleichbar “harte” Ausbildung. Auch die “Ausbildungshärte” bestimmter (Spezial-)Einheiten der deutschen Bundeswehr, wie die der Fernspäher oder des KSK, stehen der Legionsausbildung in Sachen Härte nicht viel nach. Vermeintliche körperliche Züchtigungen, Prügelstrafen etc. wie sie teilweise in Algerien noch vorkamen sind natürlich auch bei der Fremdenlegion seit langem verboten. Da Legionäre in der Regel keine “Chorknaben” sind (ein hoher Legionsoffizier benutzte einmal den -anerkennend gemeinten- Begriff “Engel mit etwas Schei**e auf den Flügeln”) kann es allenfalls und selten einmal vorkommen, dass ein z.B. Gruppenführer einem untergebenen Legionär eine Ohrfeige verpasst, wenn dieser eine Anweisung zum 3. Mal hintereinander falsch ausführt, weil er nicht konzentriert ist. Solche Dinge werden aber auch unter Legionären nicht als dramatisch angesehen, sondern als “Wiederherstellung der Aufmerksamkeit”. Dennoch sollte der Gruppenführer darauf bedacht sein, dass kein höherer Unteroffizier oder gar Offizier dergleichen mitbekommt.

Vorteile, die sich für ausländische Legionäre ergeben ist z.B. die Möglichkeit bei Bedarf nach 3 Jahren tadelloser Dienstzeit die französische Staatsbürgerschaft beantragen zu können, die allerdings erst einige Jahre später oder beim Ausscheiden aus der Legion tatsächlich verliehen wird. Für viele Bewerber aus dem nicht-europäischen Raum ist diese Möglichkeit der Hauptgrund bei der Fremdenlegion zu engagieren, können sie doch so nach ihrer Dienstzeit in Frankreich, oder als französische Bürger in jedem anderen EU-Staat (Schengen) sesshaft werden und ggf. auch die Familie aus dem Heimatland nachkommen lassen. Ein Legionär, der im Einsatz eine -schwerere- Verletzung davon trägt, kann aufgrund dessen ebenfalls die französische Staatsbürgerschaft erwerben ( Gesetz Nr 99-1141 vom 29. Dezember 1999) getreu dem Motto “Français par le sang versé” (Franzose durch vergossenes Blut). Ferner haben Legionäre mit 45 Werktagen pro Jahr relativ viel Urlaub. Die Bezahlung entspricht der der “regulären” französischen Armee, kann jedoch durch Zulagen und Einsatzprämien (in sog. “scharfen Einsätzen” wie in Mali oder Afghanistan wird bis zu 3facher Sold gezahlt) erheblich steigen. Auch bei der Stationierung in einem französischen Überseedepartement wird erhöhter Sold gezahlt. Näheres dazu finden Sie unter Besoldung.


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